Orkantief „Xynthia“ streifte auch die Kanaren


© Moisés Pérez / Ayto. Orotava

Noch bevor das Sturmtief die Iberische Halbinsel erreichte

Das Orkantief „Xynthia“, das eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa gezogen hat, streifte in der Nacht von Freitag auf Samstag (26.-27. Februar) auch die Kanarischen Inseln.

Bereits am Freitagmittag versetzte die Regionalregierung die Bevölkerung in höchste Alarmbereitschaft. Ab 18.00 Uhr müsse mit orkanartigen Böen auf La Palma, Teneriffa und Gran Canaria gerechnet werden, hieß es. Die Warnung wurde später auf alle Inseln ausgeweitet. Als Vorsichtsmaßnahme fiel der Nachmittagsunterricht an den Schulen aus. Bis zum frühen Abend blieb allerdings noch alles ruhig und so mancher stellte gar die Warnungen der Regierung in Frage. Dann setzte der Sturm ein und niemand zweifelte mehr an den Gründen, die die Regierung zu der Wetterwarnung bewogen hatten. Die Bürgermeisterin der Gemeinde La Guancha, Elena Luis, sagte am Tag danach: „Es war schlimmer als ‘Delta’“. Der Tropensturm „Delta“ fegte im November 2005 mit bis zu 200 km/h über die Inseln und ist das bislang schlimmste Erlebnis dieser Art. Aber auch wenn La Guancha möglicherweise unter den Ausläufern von „Xynthia“ stärker gelitten hat als unter „Delta“, sind die Inseln diesmal doch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Zwar ist überall mehr oder minder großer Sachschaden zu beklagen, Menschen wurden nicht verletzt.

Diesmal zog das Unwetter mit Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und knapp 200 Stundenkilometern über den Archipel hinweg. In Puerto de la Cruz wurden 120 Stundenkilometer gemessen, in anderen Orten auf Teneriffa wurden ähnliche Geschwindigkeiten registriert. Auf dem höchsten Punkt La Palmas, dem Roque de los Muchachos, erreichte der orkanartige Sturm gar 190 Stundenkilometer.

Wieder 14.000 Haushalte ohne Strom

Diesmal hatte Unelco eine gute Ausrede: „Bei so einem starken Sturm ist es unmöglich, dass es keine Zwischenfälle gibt“. Umgestürzte Strom­masten waren der Hauptgrund dafür dass etwa 14.000 Haushalte auf Teneriffa, La Palma und Gran Canaria wieder stundenlang vom Stromnetz abgeschnitten waren. Die Stromausfälle wurden ab etwa Mitternacht am Freitag registriert, und es dauerte bis zum Spätnachmittag des darauffolgenden Tages, bis die Stromversorgung in allen Inselteilen wiederhergestellt war.

Im Norden Teneriffas waren La Orotava, San Juan de la Rambla und La Guancha am stärksten betroffen. Straßenschilder wurden umgebogen, Mauern stürzten ein, Dächer wurden abgedeckt, Baustellenteile flogen durch die Luft, Bäume wurden entwurzelt, Palmen entzweigespalten und sogar Ampeln stürzten um. Zahlreiche Fahrzeuge wurden durch umherfliegende Gegenstände oder herabgefallene Äste und Bäume beschädigt.

In den Wäldern oberhalb von La Orotava ist der Schaden besonders schlimm. Der Sturm hinterließ in den Kiefernwäldern eine Schneise der Verwüstung. Unzählige Kiefern wurden entwurzelt oder brachen in der Mitte durch als handele es sich um Streichhölzer. Umweltmitarbeiter waren auch zwei Tage später noch damit beschäftigt, die Zufahrtsstraße zum Teide-Nationalpark von Baumstämmen und Ästen zu befreien.

Im Süden Teneriffas richtete der Sturm Schäden in Güímar an, wo ein auf einer stillgelegten Baustelle stehender Kran auf ein Haus stürzte. Zum Glück war das Haus unbewohnt, und auch von den angrenzenden Gebäuden wurde nur Sachschaden gemeldet.

Schwer traf es auch wieder die Insel La Palma, wo in den Höhenlagen Böen mit Geschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern gemessen wurden – die Spitzengeschwindigkeit von 190 km/h wurde auf dem Roque de los Muchachos gemessen. Die Spur, die das Sturmtief auf der Insel hinterlässt, hat insbesondere die Landwirtschaft betroffen, die bereits das vierte Unwetter in einem Zeitraum von nur drei Monaten verkraften musste. Der Ernteverlust auf dem Sektor des Bananenanbaus in der besonders betroffenen Gemeinde San Andrés y Sauces wird auf 50 % geschätzt.




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