OP-Wartelisten sollen abgebaut werden


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Private Kliniken übernehmen Eingriffe auf Rechnung des öffentlichen Gesundheitswesens

Die Wartelisten auf chirurgische Eingriffe innerhalb des kanarischen Gesundheitssystems sollen durch verstärkte Inanspruchnahme privater medizinischer Einrichtungen abgebaut werden.

Schon im ersten Quartal 2014 wurden rund 33% aller medizinischen Eingriffe (21.463 von insgesamt 65.331), die innerhalb des SCS, des kanarischen Gesundheitsdienstes, veranlasst wurden, in privaten Kliniken ausgeführt.

Der SCS hat dafür vom kanarischen Finanzressort 92,2 Millionen Euro in einem vorgezogenen Verfahren zur Verfügung gestellt bekommen, damit ab Januar Mittel zur Bezahlung der privaten Kliniken vorhanden sind. Diese hatten in der Vergangenheit darunter zu leiden, dass die Zahlungen aus dem öffentlichen Gesundheitswesen mitunter Monate auf sich warten ließen.

Dass die Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber sich so plötzlich und überraschend verbessert, könnte mit den anstehenden Kommunal- und Regionalwahlen zusammenhängen. Möglicherweise will man das Ansehen des kanarischen Gesundheitswesens durch Verkürzung der Wartelisten noch schnell ein wenig aufpolieren.

Manche sehen außerdem im Ausweichen auf private Anbieter eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Tatsächlich führen die privaten Zentren hauptsächlich die einfachen und komplikationsarmen Operationen durch. Sowie Komplikationen auftreten, werden die Patienten an die öffentlichen Krankenhäuser zurückgeschickt. Dies bedeutet eine ungerechte Auswahl der Patienten und führt dazu, dass gerade die Wartezeiten für schwerkranke Patienten durch Ausweichen auf private Anbieter kaum verkürzt werden. Gleichzeitig fehlt es dem SCS an Geld, um genügend medizinisches Personal einzustellen, damit vorhandene Operationssäle, die zurzeit oft nur acht Stunden am Tag in Betrieb sind, rund um die Uhr genutzt werden können.

Die Leiterin des kanarischen Gesundheitsressorts, Brígida Mendoza, hat erst kürzlich an die offenen Zahlungen von Staatsseite erinnert. Laut Mendoza schuldet die spanische Regierung allein dem kanarischen Gesundheitswesen mittlerweile über 2,4 Milliarden Euro. Das angelaufene Defizit entspreche 91,81% des Budgets der Regionalregierung für das Gesundheitswesen im Jahr 2015, das auf 2.627.290.551 Euro festgelegt wurde.




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