Nur wenige illegale Immigranten beantragen Asyl in Spanien


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Viele der Flüchtlinge aus Afrika wissen gar nicht, dass sie diese Möglichkeit überhaupt haben

Viele der Immigranten, die illegal nach Spanien kommen, verlassen ihre Heimat, weil Armut und Hunger sie dazu zwingen, im vermeintlich „goldenen Westen“ ihr Glück zu versuchen. Viele flüchten aber auch vor Kriegen und kämpferischen Auseinandersetzungen, ein Umstand, der es ihnen ermöglichen würde, in Spanien Asyl zu beantragen. Doch nur wenige machen von diesem Recht Gebrauch.

Das liegt einerseits daran, dass der Großteil der Flüchtlinge aus Afrika gar nicht weiß, dass diese Möglichkeit besteht, wenn sie in ihrer Heimat einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt waren. Andererseits liegt es aber auch daran, dass viele der potentiellen Asylantragsteller gar nicht erst die spanische Küste erreichen. Durch die immer besseren Grenzschutz-Kontrollen werden inzwischen viele der Flüchtlingsboote noch vor Erreichen spanischen Gewässers zum Umkehren gezwungen. Wiederum andere reichen keinen Asylantrag ein, weil ihnen schon im Voraus abgeraten wird.

Die meisten Asylanträge – 63% von insgesamt 7.195 Anträgen – wurden im vergangenen Jahr in der Region Madrid eingereicht. Auf den Kanarischen Inseln hingegen wurden 2007 insgesamt nur 655 Anträge auf Asyl gestellt, 404 in der Provinz Las Palmas de Gran Ca­naria und 251 in Santa Cruz de Tenerife. Im Jahr davor waren es sogar nur 366. Und das, obwohl der Archipel zu den Regionen Spaniens gehört, die am meisten illegale Immigranten empfangen.

„Die Anzahl der Flüchtlinge, die die Anforderungen für das Recht auf Asly erfüllen, ist mit Sicherheit weit höher“, meint Mauricio Valiente, Anwalt und Sprecher der CEAR, der spanischen Flüchtlingsunterstützungskommission. Ihm zufolge liegt die Tatsache, dass auf Gran Canaria weit mehr Anträge als auf Teneriffa gestellt werden, nicht zuletzt daran, dass sich in Las Palmas ein Büro der Kommission befindet und so ein direkter Kontakt mit den Immigranten möglich ist.

„Illegaler Einwanderer“ oder „Flüchtling“

Die größte Schwierigkeit für potentielle Asylanträger besteht schon allein darin, dass in den Immigranten-Auffanglagern, in denen sie nach ihrer Ankunft 40 Tage lang festgehalten werden dürfen, kein Unterschied zwischen „illegaler Einwanderer“ und „Flüchtling“ gemacht wird. Die Chance, von der Möglichkeit Asyl zu beantragen, überhaupt zu erfahren, ist dementsprechend gering.

Eine zweite Hürde ist aber auch die äußerst restriktive Haltung der spanischen Behörden, was positive Bescheide von Asylanträgen betrifft.




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