Neues Korallenriff entdeckt


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Vor der westafrikanischen Küste

Das größte Korallenriff der Welt ist allgemein bekannt: Es ist das „Great Barrier Reef“ vor Australien. Nur wenige, meistens Taucher, wissen, dass das zweitgrößte in der Karibik, vor der Küste von Belize, zu finden ist.

Mauretanien – Fast unbekannt ist aber, dass es auch Korallen gibt, die bei kälteren Wassertemperaturen leben und gedeihen, etwa im kalten Kanarenstrom, der von Norden entlang der Westküsten Europas und Afrikas Richtung Äquator fließt und auf der Höhe des Senegal nach Westen abbiegt. Die Kaltwasser-Korallenwelt ist vielleicht nicht so vielfältig und farbenprächtig wie ihre tropische Variante, bildet aber auch ein interessantes Ökosystem aus.

Wissenschaftler des spanischen ozeanographischen Institutes IEO haben nun ein solches Riff, das 2008 vor der Küste Mauretaniens, also südlich der Kanaren, entdeckt wurde, genauer untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass es mit 1,7 km Breite, 100 Meter Höhe über Grund und 400 km Länge das größte bisher bekannte Kaltwasser-Riff der Welt ist. In Zusammenarbeit mit dem „Institut Mauritanien de Recherches Oceanographiques et des Pêches“ wurden die Untersuchungen an Bord des Forschungsschiffes „Vizconde de Eza“ durchgeführt. Dabei kamen weitere interessante Daten zum Vorschein. Leider fand man lebende Korallen nur im südlichen Bereich des Riffs, der größte Teil besteht aus vor langer Zeit abgestorbenen Korallen. Das liegt einmal daran, dass sich der Meeresboden gesenkt haben muss, denn das Riff liegt in etwa 500 Meter Wassertiefe – zu tief für Korallen. Außerdem muss das Meer hier früher kälter und auch klarer gewesen sein, wie sich aus den gefundenen Arten schließen läßt. Offenbar wuchs das Riff seinerzeit auf einer natürlichen geologischen Plattform, die noch heute durch 50 Meter-tiefe Gräben nach Osten und nach Westen begrenzt ist. 30 Tage und Nächte lang hat das Schiff eine Fläche von10.400 Quadratkilometern vermessen, 77 Proben wurden aus Wassertiefen zwischen 80 und 2.000 Metern entnommen, 200 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurden gefunden, Tausende von Bildern konnten archiviert werden, und doch sind die Arbeiten noch nicht zu Ende: Ab November will die IEO im Rahmen ihres Projektes ECOAFRIK weitere Untersuchungen vornehmen. 




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