Neuer Flüchtlingsstrom?


Flüchtlinge, die im Oktober vor der Küste Gran Canarias gerettet wurden. Foto: EFE

Experten rechnen mit einem Anstieg illegaler Immigranten

Kanarische Inseln – Ende November entdeckte ein Flugzeug der Seenotrettung 117 Seemeilen (216 km) südlich von Gran Canaria ein Flüchtlingsboot mit 103 Immigranten an Bord, das Tage zuvor von Gambia aus auf die gefährliche Reise über das Meer gegangen war. Zwei Boote der Seenotrettung schleppten das Flüchtlingsboot in den Hafen von Las Palmas, wo die illegalen Einwanderer, ausschließlich Männer, vom Roten Kreuz in Empfang genommen und betreut wurden. Etwa einen Monat zuvor hatte die Seenotrettung bereits ein Boot mit 95 Insassen entdeckt und gerettet.

Alle Anzeichen weisen auf ein Wiederaufleben des Flüchtlingsstroms hin. Das wurde von Teodoro Bondyale, Generalsekretär des Dachverbandes der Afrikanischen Vereinigungen in Spanien, bestätigt. Er wies auf den Anstieg der illegalen Einwanderer auf den Kanaren hin und deutete diesen als Abweichung des Stromes afrikanischer Flüchtlinge von den inzwischen überwachten Mittelmeerrouten in Richtung Atlantik. „Auf den Kanaren muss man Vorbereitungen treffen,“ riet Bondyale.

Dieser Tage veröffentlichte die Internationale Organisation für Migration (IOM) einen Bericht, in dem die Flüchtlingsrouten über das Mittelmeer seit 1970 untersucht werden. Demnach überquerten seit 1970 etwa 2,5 Millionen Flüchtlinge das Mittelmeer, allein von 2000 bis 2017 kamen etwa 34.000 Flüchtlinge bei diesem Unterfangen ums Leben. Damit handelt es sich bei der Südküste Europas um eine der gefährlichsten und tödlichsten Grenzen der Welt. Das schlimmste Jahr war 2016, als 5.096 Menschen im Mittelmeer starben, davon die meisten auf der kürzesten und scheinbar ungefährlichsten Route zwischen der Türkei und Griechenland.

Auf der westlichen Route zwischen Nordwestafrika und Spanien wurden mehrere Fluchtwellen registriert, die meistens mit repressiven Mitteln unterdrückt wurden, woraufhin eine neue Route entstand, zuerst zwischen Maure­tanien, dann zwischen dem Senegal und den Kanarischen Inseln.

Nun soll diese Route aufgrund der Gefährlichkeit der Mittelmeer-Überquerung und der erschwerten Nutzung der Mittelmeer-Routen (s. auch S. 58) vermehrt von den Schleusern genutzt werden.




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