Nachthimmel taghell erleuchtet


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Mutmaßlicher Meteorit im Norden der Kanaren gesichtet

In der Sonntagnacht des letzten Augustwochenendes um 22.35 Uhr ist der Himmel über den Kanaren für etwa drei Sekunden von einem starken Licht erleuchtet worden.

Die Fluglotsen-Gewerkschaft „Controladores Aéreos USCA“ berichtete über Twitter, fünf Piloten, die im kanarischen Luftraum unterwegs waren, hätten ein starkes Licht „wie am Tag“ gemeldet.

Auch von der Kabine einer Maschine aus, die in Richtung Argentinien unterwegs war und sich zu diesem Zeitpunkt 150 Meilen nördlich der Kanaren in der Nähe der Insel Madeira befand, war ein weißes Licht  gesehen worden. Wie die Piloten berichteten, bewegte es sich abwärts, zog eine Leuchtspur hinter sich her und verschwand nach einem starken Aufleuchten wieder.

Die Beschreibungen lassen einen Meteoriten als Erklärung für das Phänomen wahrscheinlich erscheinen. Die Fluglotsen schätzen, dass sich das Ereignis etwa 200 Meilen nördlich des kanarischen Archipels ereignet hat.

Wie etliche bei der Notrufzentrale 112 eingegangene Anrufe belegen, sahen auch viele Einwohner Teneriffas und Gran Canarias den vermeintlichen Meteoriten aufscheinen.

Von offizieller Seite wurde das Ereignis nicht bestätigt.

Der Forscher Javier Licandro vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren (IAC) erläuterte gegenüber der Nachrichtenagentur EFE, dass es sich nach den Beschreibungen der Augenzeugen um einen Boliden handeln könnte. Das heißt, um einen großen, besonders hellen Meteor, der in der Atmosphäre vollständig verglüht, ohne dass – im Unterschied zu einem Meteoriten – seine Überreste die Erdoberfläche erreichen. Licandro wies darauf hin, dass auch die Bruchstücke eines Satelliten das Phänomen ausgelöst haben könnten, hält jedoch selbst einen Boliden für wahrscheinlicher. Im IAC wird man die zum fraglichen Zeitpunkt laufenden Experimente der Teleskope auf La Palma und Teneriffa daraufhin untersuchen, ob das Ereignis aufgezeichnet wurde. Zumindest das Leuchten des als enorm hell und mondgroß beschriebenen Objekts müsste von den Observatorien dokumentiert worden sein. Dann wird es möglich, Bahn und Herkunft des Boliden genau zu bestimmen.




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