Mit dem Western-Windrad autark


Casa La Gayría: Das neue Windrad fördert Grundwasser für die Bewässerung von Oliven und Wein. Foto: Agroturismo La Gayría

Das Landgut mit Ferienhäusern „La Gayría“ erzeugt 100% seines Energiebedarfs selbst

Foto: Agroturismo La Gayría

Fuerteventura – Früher prägten Windräder, wie man sie aus Westernfilmen kennt, die Landschaft Fuerteventuras. Bevor 1970 die Entsalzungsanlage in Puerto del Rosario in Betrieb genommen wurde, waren sie für das Überleben auf der von Trockenheit geprägten Insel unabdingbar. Mit ihnen wurde und wird Grundwasser gefördert, um die Pflanzungen zu bewässern. Die Windräder stammen seit jeher aus amerikanischer Produktion und wurden deshalb nach ihrer Herkunft benannt. Weit verbreitet ist die Bezeichnung „Molino de Chicago“, Chicago-Windmühle, aber auch die Markennamen Clímax, Samson, Estrella und Dempster waren gebräuchlich.

Nun wurde zum ersten Mal eine neue Western-Windmühle in Betrieb genommen, die vollständig auf den Kanaren gefertigt wurde. In Tiscamanita, im Herzen der Insel, hat Agroturismo La Gayría, ein alter Gutshof mit drei Ferienhäusern, auf dem ländlicher Tourismus mit Urlaub auf dem Bauernhof kombiniert wird, ein Windrad aufgestellt, das Grundwasser für die Bewässerung von Oliven- und Weinanpflanzungen fördert. Bei der Einweihung waren Inselpräsident Marcial Morales, der stellvertretende kanarische Industrieminister Gonzalo Pier­navieja und der Industriebeauftragte des Cabildos, José Juan Herrera, zugegen.

Erbaut wurde das Windrad von dem Industrie-Ingenieur und Professor Dr. Roque Calero. Es erforderte eine Investition von 6.000 Euro, die zur Hälfte durch die Inselregierung subventioniert wurde. Die Konstruktion der Anlage war eine besondere technische Herausforderung, weil sie nicht, wie die meisten der Chicago-Windräder Fuerteventuras, direkt über dem Brunnen errichtet werden konnte. Eine Stromtrasse, die genau darüber verläuft, machte es nötig, das Windrad zehn Meter neben dem Brunnen aufzustellen.

Insel der Windräder

Auf Fuerteventura gibt es heute noch 184 Chicago-Windräder, die meisten in Tuineje (81), Betancuria (38) und Antigua (28). Früher gab es auf der gesamten Insel Schätzungen zufolge rund 2.000 davon. Ihre Einführung bedeutete einen großen Fortschritt für die Landwirtschaft, ermöglichten sie doch die Erweiterung der Anbauflächen von Tomaten, Alfalfa, Mais und verschiedenen Gemüsesorten.

In den letzten Jahrzehnten verschwanden sie zunehmend, weil die landwirtschaftliche Aktivität zurückging und zudem Diesel- und Elekropumpen die Western-Windräder ersetzten. Heute fördert das Cabildo die Erhaltung und Instandsetzung der Windmühlen, sowohl wegen ihres Nutzens für die insulare Wasserwirtschaft als auch wegen ihres kulturellen Wertes, und weil sie zu einem charakteristischen Teil des Landschaftsbildes Fuerteventuras geworden sind.

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