Militär wollte auf Lobos üben


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Obwohl die ganze Insel unter strengem Naturschutz steht

Im Umweltressort von Fuerteventuras Inselregierung fiel man praktisch aus allen Wolken, als im Mai plötzlich ein Fax des Verteidigungsministeriums Militärübungen auf der kleinen Insel Lobos ankündigte.

Sofort wurde Protest laut, schließlich steht das komplette Inselchen unter Naturschutz. Nur eine Woche später ruderte das Verteidigungsministerium dann auch zurück.

Im dem umstrittenen Fax hatte das Verteidigungsministerium bekanntgegeben, zwischen dem 4. und dem 6. Juni eine Militärübung auf der Insel Lobos durchzuführen zu wollen. Im Anhang übermittelte man eine Studie über die Umweltauswirkungen, die zwar jegliche negativen Konsequenzen für die Umwelt ausschloss, Lobos jedoch im selben Zuge als sehr empfindliches Naturreservat bezeichnete.

Sofort protestieren die Inselregierung und die Gemeinde La Oliva gegen das Vorhaben. Antonio Gallardo, Leiter des Naturparks, zeigte sich fassungslos und stellte die Frage in den Raum, wie man eine Militärübung in einem derart geschützten Gebiet durchführen könne, „und das auch noch mit Hubschraubern!“. Bei Lobos handele es sich um ein landschaftliches Juwel und er könne nicht verstehen, warum das Militär innerhalb des großen Staatsgebietes sich gerade Lobos für seine Manöver habe aussuchen müssen.

Nach einer Woche teilte dann das Verteidigungsministerium mit, „weder jetzt noch in Zukunft“ Militärübungen auf Lobos durchzuführen. Dabei handelte es sich jedoch um eine allgemeine Mitteilung, die nicht offiziell gegenüber der Inselregierung erfolgte.

Daraufhin wandte sich das Cabildo an die Zentralregierung mit der Aufforderung, offiziell Abstand von dem Vorhaben zu nehmen. Nicht nur aus Naturschutzgründen sondern auch zum Schutz der Ausgrabungen, die eine römische Siedlung zu Tage fördern könnten (das Wochenblatt berichtete), will die Inselregierung darüber hinaus Fuerteventura und Lobos nun zum friedlichen, militärfreien Gebiet erklären lassen.

Einzigartige Natur

Die nur 4,5 qkm große Insel Lobos liegt nordöstlich von Fuerteventura und ist durch die Meerenge La Bocaina, deren Tiefe bei maximal dreißig Metern liegt, von der großen Mutterinsel getrennt. Lobos steht komplett unter Naturschutz, u.a. wegen der Vielfalt teils einzigartiger Pflanzen, der reichen Vogelwelt und der Mönchsrobben, die hier wieder angesiedelt werden sollen. Die Insel ist unbewohnt – bauen ist verboten –, man kann jedoch mit einer Fähre übersetzen und durch den Naturpark wandern.

Im letzten Jahr stießen Archäologen bei Ausgrabungsarbeiten auf Fundstücke, die auf eine römische Besiedelung zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr. hindeuten.




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