Mehr als 240 Frauen waren unter den Bootsflüchtlingen


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80% von ihnen kamen aus Schwarzafrika

Die illegale Immigration hat viele Gesichter, einige sind dramatischer als andere. Eines der weitgehend unbekannten ist das der afrikanischen Frauen. Einige sind schwanger andere haben jahrelang Aggressionen erlitten, wurden vergewaltigt und miss­braucht. Auf der gefährlichen Überfahrt im cajuco auf die Kanaren setzen sie ihr Leben und das ihrer Babys aufs Spiel.

Nach Angaben der Regierungsdelegation auf den Kanaren kamen in den letzten Jahren mit den Flüchtlingsbooten mehr als 240 Frauen an, die meisten von ihnen aus den Ländern der Subsahara. Allein 2006 wurden 154 verhaftet, doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, wo 75 ankamen. Diese Zahl hat sich in den ers­ten fünf Monaten 2008 wieder verringert. Bislang kam rund ein Dutzend weibliche  Flüchtlinge an. Das Vorgehen ist das gleiche wie bei den erwachsenen Männern. Es wird ein Rückführungsverfahren eingeleitet, und die Frauen kommen in ein Internierungslager, wo sie auf ihre Ausweisung warten.

Gute Zukunftschancen

In den meisten Fällen sind ihre Zukunftschancen wesentlich aussichtsreicher als die der Männer. Fast alle bleiben in Spanien, wenn die vierzig Tage verstrichen sind, die das Gesetz als Internierungszeit vorschreibt. Dann werden sie vom Roten Kreuz in Empfang genommen, das sich um sie kümmert. Seit 2006 wurden 189 Frauen in den Zentren des Roten Kreuzes auf den Kanaren aufgenommen. 139 in der Provinz Gran Canaria und 50 in Santa Cruz de Tenerife. Zentren der Organisation befinden sich auch auf Fuerteventura und Lanzarote. In La Laguna auf Teneriffa existiert ein Zentrum für Mütter mit Kleinkindern, ein weiteres in Arona. Die meisten weiblichen Flüchtlinge kommen nach Angaben der Organisation aus Nigeria (101). Der Rest aus 20 weiteren Ländern wie Elfenbeinküste, Sierra Leone, Ghana, Gambia.

90% dieser Frauen beantragen in Spanien Asyl. Wie der Fall der kleinen Mamma, eines zweijährigen Kindes zeigt, das im Januar zusammen mit seiner Mutter anlandete und aus Guinea Bissau stammt. Ihr Asylantrag wurde vor einigen Wochen zugelassen und seither leben sie im Zentrum in La Laguna.

Opfer sexueller Übergriffe

Viele der Frauen, die schwanger in den Flüchtlingsbooten ankommen, sind Opfer von Vergewaltigung wäh­rend ihrer monatelangen Märsche durch verschiedene afrikanische Länder geworden, bis sie einen Platz in einem der cayucos ergattern konnten. Wie ein Sprecher der Brigade des Immigrationsnetzes berichtet, nehmen die Mafias immer zwei bis drei Frauen in die Gruppen auf, die sie in den Heimatländern der illegalen Immigranten zusammenstellen, um Bestechungsgelder für die Grenzposten der verschiedenen Länder zu sparen, die sie passieren müssen. Sie bieten den korrupten Beamten kostenlosen Sex an. Eine Frau aus Nigeria muss beispielsweise drei verschiedene Grenzen überschreiten, bis sie nach Mauretanien gelangt, von wo aus die Kanaren angesteuert werden.




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