Mahnmal gegen Ölbohrungen


© Cab Fva

Viertes Walskelett aus 300 Knochen in Puerto del Rosario als Skulptur errichtet

Ein Jahr nach den massiven Protesten gegen die von der spanischen Regierung genehmigten Probebohrungen vor der Küste von Fuerteventura und Lanzarote, die der Erdölkonzern Repsol zur Erschließung der dort vermuteten Erdölvorkommen durchführen will, wurde nun ein neues Mahnmal gegen die Prospektion im Atlantik errichtet.

In der Karwoche weihte Fuerteventuras Cabildo-Präsident Mario Cabrera gemeinsam mit dem Bürgermeister der Hauptstadt, Marcial Morales, das Skelett eines Edenwals (Balaenoptera edeni) an der Avenida Marítima von Puerto del Rosario ein. Auch die Bürgerbewegung „No al petróleo. Sí a las renovables“ (Nein zum Öl. Ja zu erneuerbaren Energien) war durch mehrere Mitglieder vertreten.

Der Weg der Meeressäuger

Das Walskelett, das in jahrelanger Arbeit für die Ausstellung als Skulptur aufbereitet wurde, ist Teil einer ganzen Reihe ähnlicher Ausstellungsstücke, die über die Insel verteilt zu bewundern sind. Sie alle wurden im Rahmen des Projektes „La Senda de los Cetáceos“ (Der Weg der Meeressäuger) präpariert und sollen ein Hinweis auf die Bedeutung der Biodiversität auf den Kanarischen Inseln und auf die Notwendigkeit sein, diese vor Bedrohungen wie den Ölbohrungen zu schützen.

Cabildo-Präsident Mario Cabrera erläuterte bei der Einweihung, dass diese neue Skulptur des Projektes „La Senda de los Cetáceos“ ein Symbol für den Artenreichtum der Gewässer um die Kanaren sei. Er erinnerte an die Anfänge des Projektes, das durch das massive Walsterben infolge von Militärmanövern in den Jahren 2002 und 2004 motiviert wurde, durch die Dutzende von Walen an der Küste Fuerteventuras verendeten. Nun komme mit den Probebohrungen von Repsol eine neue Bedrohung auf die Meeressäuger zu. Die dadurch drohende Gefahr für die Biodiversität der Inseln kritisierte Mario Cabrera bei dieser Gelegenheit erneut scharf und beschuldigte die spanische Regierung unter Ministerpräsident Rajoy, die Genehmigung für Prospektionen in einem Gebiet zu genehmigen, das vom Umweltministerium derselben Regierung zur „äußerst sensiblen marinen Zone“ erklärt wurde.

Das ausgestellte Walskelett stammt von einem im August tot an der Küste aufgefundenen jungen Edenwal, eine geschützte und seltene Art, die noch wenig erforscht ist. In Spanien wurde diese Walart bislang nur in der Nähe der Kanarischen Inseln gesichtet, wo sie im Frühling und Sommer auftaucht. In den kälteren Jahreszeiten wandern diese Wale in südlichere Gewässer.

Auf Fuerteventura sind außer dem Edenwal noch drei weitere Walskelette ausgestellt – ein 15 Meter langer Pottwal (Physeter macrocephalus) in Jandía, ein 20 Meter langer Finnwal (Balaenoptera physalus) in der Salzgewinnungsanlage Salinas del Carmen und ein Cuvier-Schnabelwal (Ziphius cavirostris) ebenfalls in Jandía. Das vier Meter lange Skelett eines Kurzflossen-Grindwals (Globicephala macrorhynchus), an dessen Präparation gearbeitet wird, soll in der Gemeinde La Oliva aufgestellt werden.

Minutiöser und jahrelanger Prozess

Für die Präparation werden die Walkadaver zunächst für etwa zwei Jahre unter der Erde, vorzugsweise unter Vulkansteinen begraben. Nach der kompletten Zersetzung werden die Knochen ausgegraben und weitere zwei Jahre durch Waschung und Säuberung für die Ausstellung aufbereitet.

Geschützt werden die Knochen durch eine spezielle Lackierung, die aus einer Mischung von Latex, Härtern, Fungiziden und Algiziden besteht und die Knochen so vor den äußerlichen Umwelteinflüssen schützt und die Konservierung gewährleistet. Das Skelett des Edenwals in Puerto del Rosario setzt sich aus fast 300 einzelnen Knochen zusammen und ist neun Meter lang.




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