Laser gegen Weltraummüll


Die Optische Bodenstation nutzt ein Laserteleskop für die Kommunikation im All. Foto: IAC

Die Europäische Weltraumagentur ESA erforscht die Möglichkeit, Schrottteilchen in der Erdumlaufbahn vom Teide aus zu beseitigen

Teneriffa – Nach Ansicht der ESA ist es möglich, den erdnahen Weltraum vom Teide-Observatorium aus per Laserstrahl von Weltraummüll zu befreien.

Seit dem Beginn der Raumfahrt vor über sechzig Jahren hat sich in den Erdumlaufbahnen eine große Menge Weltraumschrott, Überreste von Raketen und Satelliten, angesam- melt. Man schätzt, dass mittlerweile fast eine Millionen Bruchstücke von über einem Zentimeter Durchmesser mit der mehrfachen Geschwindigkeit einer Pistolenkugel durch den erdnahen Weltraum rasen. Sie können teure Satelliten zerstören und bei einem Einschlag in die Weltraumstation ISS eine lebensbedrohliche Katastrophe auslösen. Glücklicherweise ist der Orbit der ISS in 400 Kilometern Höhe weitgehend frei von diesen Schrottpartikeln, da dort die Ausläufer der Erdatmosphäre solche Teile abbremsen, sodass sie nach kurzer Zeit tiefer sinken und verglühen. In den Umlaufbahnen der Kommunikations- und Beobachtungssatelliten in 600 bis 1.200 Kilometern Höhe dagegen kann sich der Müll jahrhundertelang halten.

Jahr für Jahr werden 14 Millionen Euro ausgegeben, um Satelliten umzulenken, damit Einschläge vermieden werden. Doch 99% dieser Kollisionswarnungen sind falscher Alarm, weil die Modelle, mit denen die Zusammenstöße vorausberechnet werden, auf den nur 22.000 schon bekannten und registrierten Schrottpartikeln beruhen und viel zu ungenau sind. Deshalb arbeitet die ESA an der Perfektionierung dieser Methoden.

An einer möglichen Lösung des Weltraumschrott-Problems wird in der Optischen Bodenstation der ESA im Teide-Observatorium, die seit 1995 in Betrieb ist, gearbeitet. Die Station in 2.400 Metern Höhe dient der Erforschung der optischen Weltraumkommunikation, bei der Laserstrahlen als Übertragungsmedium zum Einsatz kommen. Die ESA plant nun, dort ein neues Laser-Teleskop zu installieren, das die Schrottfragmente im All aufspüren soll. Später könnte es zusätzlich als „Kanone“ fungieren, welche die gefährlichsten Teile eliminieren, genauer gesagt in Richtung der Erdatmosphäre ablenken soll, damit sie durch die dort entstehende Reibung verglühen.

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