Krise trifft auch Vierbeiner


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Tierheime verzeichnen Zunahme von abgegebenen Haustieren

Die Wirtschaftskrise bekommen mittlerweile nicht mehr nur die Menschen zu spüren; auch Tiere sind betroffen.

Zumindest viele Haustiere, die von ihren Besitzern mit dieser Begründung in Tierheimen abgegeben werden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur EFE in einer Reportage, in der die Zustände in zwei Tierheimen auf Teneriffa und Gran Canaria geschildert werden. Wie die Reporterin Almudena de Santiago bei ihren Recherchen herausfand, ist die Zahl der Tiere, die von ihren Besitzern persönlich ins Tierheim gebracht werden, in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen, während im Gegenteil dazu auf der Straße weniger Streuner aufgelesen werden.

Zwei Tierheime hat EFE für die Reportage besucht. Im Tierheim „Valle Colino“ bei La Laguna auf Teneriffa sind derzeit über hundert Hunde und Katzen untergebracht. Das Kreistierheim nimmt Tiere aus Santa Cruz, La Laguna, El Rosario und Tegueste auf, und diese Gemeinden wachen über die Arbeit im Heim, das vom kanarischen Dachverband der Tier- und Pflanzenschutzvereine (FECAPAP) geleitet wird.

Fernando Nabal, Tierarzt in „Valle Colino“, erzählte EFE, dass viele Besitzer die Abgabe ihres Haustiers damit begründen, dass sie arbeitslos sind und die Kosten für die Tierhaltung – Futter und Tierarztrechnungen – nicht mehr tragen können. Andere erklären ihre Entscheidung damit, dass sie sich gezwungen sehen, in eine kleinere Wohnung umzuziehen, wo für ihren Vierbeiner kein Platz mehr ist. Heute werden im Tierheim Valle Colino monatlich etwa 50 Hunde und Katzen abgegeben, während es früher nur etwa zehn waren. Dafür werden auf den Straßen im Schnitt weniger ausgesetzte Tiere aufgelesen. Warum das so ist, hat laut Fernando Nabal eine einfache Erklärung: Die meisten Haustiere sind heute mit einem sogenannten Microchip gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass ein ausgesetztes Tier mit Hilfe eines Lesegerätes schnell identifiziert und der Besitzer ausfindig gemacht werden kann, dem dann für sein Handeln eine Strafe droht. Deshalb ziehen es viele Tierbesitzer vor, ihre Tiere persönlich abzugeben. Tierarzt Nabal betont, dass dieses Vorgehen für ihn gleichbedeutend mit „Aussetzen“ ist.

Ganz ähnliche Zustände herrschen auch im Inseltierheim „Albergue Insular de Gran Canaria“ in Bañaderos, das im vergangenen Jahr 3.329 Hunde und 973 Katzen aufgenommen hat, wie ein Sprecher der Einrichtung EFE gegen­über versicherte. Immerhin 1.300 Hunde und 207 Katzen konnten vermittelt werden. Auch das Tierheim „Valle Colino“ kann jährlich zwischen 1.500 und 1.700 Adoptionen melden.

Auffallend ist, dass neuerdings vermehrt Rassehunde ausgesetzt bzw. abgegeben werden. Einige recht teure Hunderassen sind auch sehr empfindlich, was Versorgungs- und Tierarztkosten steigen lässt, „und die Besitzer können sich das nicht mehr leisten“, weiß Tito Cárdenes vom „Albergue Insular de Gran Canaria“.




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