Kollaps in den Notaufnahmen


Die Calima, gepaart mit der Kälte, sowie die Grippewelle sorgten für einen Ansturm

Es war nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal, dass die Notaufnahmen der öffentlichen Krankenhäuser Mitte Januar tagelang im Chaos versanken.

Die Calima, gepaart mit ungewöhnlicher Kälte, und ein vorzeitiger Start der Grippewelle sorgten dafür, dass ab dem 9. Januar vermehrt die Krankenhäuser aufgesucht wurden. Die Patienten strömten förmlich in die Notaufnahmen beispielsweise des Universitätskrankenhauses der Kanaren (HUC), des Universitätskrankenhauses Nuestra Señora de la Candelaria (HUNSC) – beide auf Teneriffa – oder des Hospital Doctor Negrín auf Gran Canaria. Letztere registrierten über Tage hinweg bis zu 80 Notfallpatienten mehr als üblich.

Der Ansturm hatte den Kollaps der Notaufnahmen zur Folge. Das Personal befand sich im Dauereinsatz, die Räume und Gänge waren mit Menschen überfüllt. Besonders extrem war die Lage wieder einmal im HUC, wo sogar ein Notausgang mit Betten förmlich blockiert wurde, obwohl die Gewerbeaufsicht bereits früher angemahnt hatte, diesen ständig zugänglich zu lassen.

HUC-Leiter Ignacio López Puech gestand gegenüber einer Tageszeitung ein, im Falle eines Ansturmes sei die Aufnahme neuer Patienten beschränkt. Nach seinen Worten handelt es sich nicht um ein Personal- sondern um ein Strukturproblem. Die Möglichkeiten, Raum in dem 48 Jahre alten Krankenhaus zu schaffen, seien ausgeschöpft.

Martín Marrero, Sprecher der Kanarenregierung, erklärte den Kollaps der Notaufnahme des HUC angesichts der extremen Wetterbedingungen und des verfrühten Grippe-Einschlages für „unvermeidbar“, führte jedoch dann an, die Zahl der vorhandenen Notfallbetten entspräche dem landesweiten Durchschnitt, nur würde der unzureichende Platz den Eindruck der „Überfüllung“ vermitteln.

Kurzfristig wurde im HUC neues Personal eingestellt, im HUNSC wurden 56 und im Doctor Negrín 32 vorläufige Notfallbetten eingerichtet. Im HUC sollen in Kürze 25 weitere Notfallbetten und im Nordkrankenhaus 50 Betten für Nachsorgepatienten zur Verfügung gestellt werden. Auch will das Cabildo zur Entlastung des HUC weitere 80 Pflegeplätze einrichten, denn der Mangel an solchen Plätzen trägt ebenfalls zum wiederholten Kollaps bei.

Die Gewerkschaften kritisierten, die Kürzungen und die fehlende Planung des kanarischen Gesundheitsressorts häten den Kollaps der Notaufnahmen verursacht, und kündigten aufgrund der ständigen Gefährdung der Bevölkerung juristische Schritte an. Sie forderten, Notfallpatienten an die privaten Krankenhäuser zu überweisen und langfristig mehr Notfallbetten im Nordkrankenhaus zur Verfügung zu stellen. Das kanarische Gesundheitssystem solle neu organisiert und die zukünftigen Nord- und Südkrankenhäuser ausreichend ausgestattet werden.

Das kanarische Gesundheitsressort richtete sich am 14. Januar an die von der Calima betroffenen Patienten mit Atemwegsbeschwerden und forderte sie auf, nicht die Notaufnahmen der Krankenhäuser sondern die der Gesundheitszentren aufzusuchen.




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