Kaum mehr Bootsflüchtlinge


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Migrationsbericht des Innenministeriums zeigt, dass die Zahl der Einwanderer ohne Papiere im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zurückgegangen ist

Die Kanarischen Inseln haben offenbar an Attraktivität als Eingangstor zu Europa für illegale Einwanderer verloren. Dies stellt der jüngste Bericht des spanischen Innenministeriums über Bootsflüchtlinge aus Afrika unter Beweis.

Madrid – Innenminister Jorge Fernández Díaz teilte am 24. Januar mit, dass die Zahl der Einwanderer, die Spaniens Grenze auf irregulärem Weg passieren, 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 30% zurückgegangen ist – auf den Kanarischen Inseln sogar um 50%.

Letztes Jahr, so Fernández Díaz, kamen 3.804 Einwanderer ohne Papiere in Spanien an, während es 2011 noch 5.411 und 2006 – dem sogenannten „Cayuco-Krisenjahr – 39.180 waren.

Das Innenministerium hält die Einwanderungsroute über die Kanarischen Inseln infolge der Auswertung der Zahlen der letzten Jahre für geschlossen. Im Laufe des letzten Jahres kamen auf den Inseln 173 Bootsflüchtlinge aus Afrika an, 50% weniger als 2011. An der spanischen Festlandküste landeten im selben Zeitraum 3.631 Flüchtlinge. Das Innenministerium sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Konflikten in afrikanischen Ländern und der Zunahme der Einwanderer, die Spanien über die Exklave Melilla erreichen. Die steigende Zahl von Flüchtlingen aus Krisengebieten, die Marokko verzeichnet, habe dazu geführt, dass immer mehr dieser Menschen Melilla als Zugangsweg zu Spanien nutzen. Dennoch sei das Jahresergebnis 2012 als positiv zu werten, erklärte Innenminister Fernández Díaz. „Es ist die zweitniedrigste Zahl der letzten 12 Jahre“, sagte er, „und dies, obwohl Europa und auch Spanien für Zuwanderer aus Afrika weiterhin attraktiv sind.“ An dieser Stelle gebühre den Polizeikräften – Nationalpolizei und Guardia Civil – ein Lob für ihre Arbeit, und auch der internationalen Kooperation. Länder wie Marokko, Algerien, Mauretanien und Senegal bemühen sich mittlerweile um die Verhinderung der illegalen Migration. Experten warnten vor wenigen Wochen noch vor der Möglichkeit einer erneuten Verschiebung der Immigrantenroute auf die Kanarischen Inseln, hervorgerufen vor allem durch die verschärften Kontrollen der marokkanischen Gendarmerie. Am 27. Dezember war nach langer Pause wieder ein Cayuco auf den Kanaren eingetroffen. 43 Boatpeople erreichten in La Restinga auf El Hierro europäischen Boden.




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