Katasterbetrüger waren in 23 Bezirken aktiv


Richter ordnete die Beschlagnahme von 20 Grundstücken und 22 Luxusautos an

Gran Canaria/Fuerteventura – Das Amtsgericht Nummer 2 in Las Palmas auf Gran Canaria untersucht zurzeit den sogenannten Katasteramtsfall (Caso catastro), bei dem ein Katasterbeamter und Mitarbeiter eines Notariats und einer Gestoría elf Jahre lang Kataster- und Eigentumseinträge gefälscht haben, um sich Grundstücke anzueignen.

Nach dem aktuellen Stand der Untersuchungen waren die Betrüger in 23 Gemeindegebieten der Provinz Las Palmas de Gran Canaria aktiv, darunter Telde, Valsequillo und Mogán auf Gran Canaria und La Oliva auf Fuerteventura, und haben sich insgesamt mindestens 158 Objekte angeeignet oder hatten die entsprechenden Formalitäten dazu in Gang gesetzt.

Mehr als 20 Verhaftungen

Im Verlauf der Ermittlungen wurden seit Januar dieses Jahres schon mehr als 20 Personen verhaftet, die alle unter Auflagen wieder auf freiem Fuß sind. Zudem wurden bisher 20 Immobilien und 22 Luxusfahrzeuge, die auf eine Firma des Hauptverdächtigen zugelassen sind, beschlagnahmt.

Dabei handelt es sich um den in Lajares, La Oliva auf Fuerteventura ansässigen 68-jährigen Unternehmer Roque M. M., dem Betrug, Urkundenfälschung, die Gründung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vorgeworfen werden.

Nach der Aufhebung des Verfahrensgeheimnisses durch den Richter Rafael Passaro zeigte sich, dass es sich um eine große kriminelle Organisation handelt, die mit der Unterstützung des Katasteramtsinspektors Jesús O.M., des ehemaligen Beamten und Gestors José María C.F. und des Anwalts Neftalí Q.T. lange Zeit weitgehend ungestört agieren konnte und sich Grundstücke und Wohnhäuser in La Oliva, Las Palmas, Tuineje, Puerto del Rosario, Antigua, Santa Lucía de Tirajana, Moya, Teror, Telde, Teguise, Tías, Arrecife, Tinajo, San Mateo, Betancuria, Valsequillo, San Bartolomé de Arrecife, Santa Brígida, Haría, Mogán, Guía und Gáldar auf den Inseln Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote aneignete.

12,2 Millionen Euro

Die Ermittler der Guardia Civil kommen zu dem Schluss, dass die beiden Hauptbeschuldigten Roque M. M. und sein mutmaßlicher Komplize Santiago M.M seit 2006 insgesamt 778 notarielle Vorgänge im Zusammenhang mit dem Erwerb von Immobilien durchgeführt haben, die in den entsprechenden Urkunden mit einem Wert von insgesamt 12,25 Millionen Euro beziffert sind.

Zu den Opfern der Betrüger gehört mutmaßlich auch das Bistum der Kanarischen Inseln. Generalvikar Hipólito Cabrera sagte im April bei der Guardia Civil zu der versuchten Aneignung eines Grundstücks der Kirche in Puerto del Rosario aus.

Die Vorgehensweise der Betrüger rekonstruieren die Ermittler wie folgt: Sie suchten solche Grundstücke aus, die noch nicht im Grundbuch eingetragen waren. Sodann fälschten sie einen Privatvertrag, den sie mit einem Datum aus dem Zeitraum zwischen 1980 und 1995 versahen. Darin traten Mitglieder der Betrügerbande als Käufer auf. Als Verkäufer wurden Personen angegeben, deren Teilnahme an dem Vertrag gefälscht wurde und von denen einige schon verstorben waren. Unter Vorlage dieser Dokumente beglichen sie die Grunderwerbssteuer und ließen dann die notarielle Beurkundung vornehmen. In diesem Zusammenhang wird gegen drei Notare ermittelt. Zuletzt ließen sie dann, mutmaßlich mit Unterstützung des Inspektors Jesús O.M., die Eintragung des neuen „Eigentümers“ im Katasterregister vornehmen.




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