Kanarischer Wald absorbiert nur 5% des Kohlenstoffdioxids


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Forstwirtschaftsexperten fordern die Bewaldung brachliegender Anbaugebiete

Im Juli stellte Direktor Yeray Martínez die neue kanarische Zweigstelle des spanischen Forstwirtschaftsverbandes PROFOR vor und äußerte sich bei dieser Gelegenheit kritisch zum Zustand der kanarischen Wälder.

Laut Martínez verfügen die kanarischen Inseln über eine Forstfläche von 560.000 Hektar – 76% des Gesamtgebietes. Diese teile sich auf in 130.000 Hektar Wald (18%) und 430.000 Hektar mit Buschwerk bewachsenes Gelände (58%). Der Baumbestand sei zu gering, denn der kanarische Wald könne gerade einmal 5% der auf den Kanaren produzierten und an die Atmosphäre abgegebenen 13,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid aufnehmen.

Nach Meinung des Forstexperten bestehe jedoch die Möglichkeit, die bewaldete Fläche zu verdoppeln und die Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Denn auf den Kanarischen Inseln gäbe es viele brachliegende landwirtschaftliche Anbaugebiete, auf denen derzeit nur Büsche und Gestrüpp wüchsen, die jedoch mit Bäumen bepflanzt werden könnten. Nach Martínez Berechnungen könnte der kanarische Wald durch eine derartige Aufforstung um 100.000 Hektar anwachsen.

Würde zudem der bestehende Wald verbessert werden, könnte die CO2-Absorption verdoppelt oder sogar verdreifacht werden.

Bringt der Wald ersehnte Arbeitsplätze?

Investitionen in den kanarischen Wald und die Forstwirtschaft würden außerdem die biologische Vielfalt der Naturräume verbessern, die Menge und Qualität des produzierten Wassers erhöhen und neue Arbeitsplätze schaffen. Neben Stellen für die Aufforstung und Waldpflege würde auch die private Forstwirtschaft und die nachhaltige Produktion von Holz, Brennholz oder Bioenergie angekurbelt. Momentan seien 2.100 Personen in der Forstwirtschaft beschäftigt – laut Martínez könne diese Anzahl über einen spezifischen Arbeitsbeschaffungsplan schnell erhöht werden.

Einzigartiges Naturerbe

PROFOR verfolgt den Schutz und die Erhaltung der verschiedenen Ökosysteme. In diesem Zusammenhang forderte die Vereinigung eine bessere Koordination zwischen den Institutionen, denn nach Meinung der Forstexperten würden die ohnehin schon geringen Mittel nicht effizient genutzt. Des Weiteren sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit der in oder bei brandgefährdeten Gebieten lebenden Menschen zu erhöhen. Außerdem forderte PROFOR eine vermehrte Anerkennung der professionellen Forstarbeit, um das Berufsbild von Forst-Fachkräften zu schützen. Martínez hob hervor, PROFOR ziele auch darauf ab, der Gesellschaft die Bedeutung von Schutz und Erhaltung der Wälder bewusst zu machen. Gerade auf den kanarischen Inseln sei dieses Naturerbe einzigartig, schloss er ab.




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