Kanarische Spitzenkandidaten vorgestellt


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Im Rahmen der „Debatte zur Lage der Region“ gab Adán Martín seinen Rückzug aus der Politik offiziell bekannt

Der Countdown zu den Kommunalwahlen am 27. Mai läuft: Inzwischen haben alle im kanarischen Parlament vertretenen Parteien ihre Spitzenkandidaten für das Amt des Regionalregierungschefs offiziell vorgestellt. Als letzte schließlich auch die regierende Coalición Canaria (CC), die erst noch abwarten musste, bis Kanaren-Chef Adán Martín offiziell bestätigte, was die Spatzen schon seit langem von den Dächern pfiffen: Nämlich, dass er sich nach dieser Legislaturperiode aus dem aktiven politischen Leben zurückziehen will.

Bis zum Schluss brodelte die Gerüchteküche; es wurde sogar gemutmaßt, Martín könne sich doch noch umentscheiden. Schließlich wählte jedoch der Betroffene selbst einen besonders effektiven Moment, um endgültig alle Zweifel auszuräumen. Am 30. Januar, dem zweiten und somit letzten Tag der diesjährigen „Debatte zur Lage der Region“, machte er am Schluss seiner letzten Wortmeldung seinen Rückzug offiziell. Sein Nachfolger ist wie erwartet Paulino Rivero, der vier Tage darauf offiziell zum CC-Spitzenkandidaten benannt wurde.

Auch ansonsten gab es wenig Überraschungen. Der Spitzenkandidat der Sozialisten (PSE), der derzeitige Justizminister Juan Fernando López Aguilar, stand schon lange fest. Ähnlich sieht es bei der Volkspartei (PP) aus, die ihr Vertrauen in den kanarichen PP-Chef José Manuel Soria setzt, zu dessen offizieller Ernennung PP-Chef Mariano Rajoy gekommen war.

Die Rückkehr der Dinosaurier

Obwohl die Gemeinde- und Regionalwahlen erst im Mai stattfinden und längst nicht alle Kandidaten offiziell nominiert sind, ist auf der politischen Bühne und vor allem hinter den Kulissen der Wahlkampf bereits voll entbrannt. Was dabei besonders ins Auge fällt ist die Tatsache, dass kaum junge Kandidaten mit frischen Ideen präsentiert werden, vielmehr greifen die meisten Parteien auf bekannte Namen zurück.

Besonders auffällig ist das auf Gran Canaria, wo zwei Schlüsselpositionen seit vielen Jahren von der konservativen Partido Popular besetzt sind und immer wieder mit Zähnen und Krallen verteidigt werden – das Amt des Bürgermeisters von Las Palmas und des Präsidenten des Cabildos.

Hier treten jetzt zwei Politiker an um diese Ämter zu erobern, die bereits von der politischen Bühne abgetreten waren und das siebzigste Lebensjahr längst überschritten haben.

Jerónimo Saavedra

Jerónimo Saavedra, 1936 in Las Palmas geboren, Professor für Verwaltungsrecht, ist ein Sozialist und Gewerkschaftler der ersten Stunde. Bereits 1972 trat er in die Sozialistische Partei ein, wurde 1977 Generalsekretär der kanarischen Sozialisten und war Abgeordneter im ersten demokratisch gewählten Parlament Spaniens, wiedergewählt 1979, 1982 und 1999.

Von 1983 bis 1987 und von 1991 bis 1993 war Jerónimo Saavedra Präsident der Kanaren. 1993 berief Felipe González ihn in sein Kabinett. Er war zunächst Minister für öffentliche Verwaltung und bis zum Regierungswechsel 1996 Minister für Erziehung und Wissenschaften. Danach saß er für Las Palmas im Senat. Jetzt setzt die sozialistische Partei auf seine Persönlichkeit und seinen Namen um die Ablösung im Rathaus von Las Palmas zu vollziehen.

Lorenzo Olarte

Lorenzo Olarte Cullen, 74, ist Rechtsanwalt. Seit mehr als 32 Jahren im politischen Geschäft aber nicht immer an der Macht. 1974 übernahm er ein politisches Amt, stieg aber sozusagen gleich ganz oben ein: er wurde Präsident des Cabildos von Gran Canaria. 1977 gründete er die nationalistische Partei UC aus der später das Kanarische Nationalistische Zentrum CCN wurde. 1987 wurde Olarte unter Fernando Fernández Vizepräsident der kanarischen Regierung und als dieser nach einem Jahr von seinen Koalitionspartnern aus dem Amt gehievt wurde, übernahm Olarte den Posten des kanarischen Präsidenten von 1988 bis 1991.

Als die Kanarische Koalition (CC) die Regierung übernahm, ein Zusammenschluss nationalistischer Gruppen dem auch seine Partei angehörte, war er von 1995 bis 1999 erneut Vizepräsident unter Manuel Hermoso.

Danach wurde es relativ still um ihn. Er habe sich in seine Anwaltspraxis und in seine Familie zu seinen Enkeln zurückgezogen, erklärte er damals. Jetzt ist er wieder da, um José Manuel Soria (PP) die Präsidentschaft des Cabildos streitig zu machen und in der Regionalpolitik mitzumischen. Er fühle sich stark und unternehmungslustig wie in seinen besten Zeiten, erklärte er den Medien.




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