Kanarische Inseln liegen auf der Route der „Giftmüllschiffe“


© Ecologistas en Acción

Probo Koala, das Schiff, das in diesem Sommer für den Giftmüllskandal an der Elfenbeinküste verantwortlich war, hatte davor vor Gran Canaria umgeladen

Zwar wurden die Gewässer um die Kanarischen Inseln bereits vor einiger Zeit von der IMO, der UN-Sonderorganisation für die Seefahrt, als „besonders gefährdete Meereszone“ eingestuft, doch die damit verbundenen Schutzmaßnahmen treten erst Ende Dezember dieses Jahres in Kraft.

Bis dahin dürfen beispielsweise einwandige Öltanker oder Schiffe mit für die Umwelt gefährlicher Fracht ungestraft und ohne besondere Kontrollmaßnahmen an den Kanarischen Inseln vorbeifahren.

Mitte Oktober schlugen verschiedene Umweltschutzorganisationen wie Ben Magec und Greenpeace in dieser Angelegenheit erneut Alarm, nachdem bekannt wurde, dass das berüchtigte Schiff Probo Koala die Kanaren nicht nur passierte, sondern am 23. Juni dieses Jahres sogar Umladearbeiten etwa 3 bis 4 Seemeilen vor dem Hafen von Las Palmas de Gran Canaria vorgenommen hatte. Wenig später hatte diese  regelrechte „Schiffs-Raffinerie“ an der Elfenbeinküste einen der schlimmsten Giftmüllskandale aller Zeiten verursacht, was verheerende Folgen für die Umwelt und die Bevölkerung hatte – sieben Menschen kamen ums Leben und tausende mussten ärztlich behandelt werden. Das Zwillingsschiff Probo Emi habe ebenfalls vor Gran Canaria schon Arbeiten durchgeführt und verfüge über drei weitere Genehmigungen, wird in diesem Zusammenhang eindringlich gewarnt.

7.000 Giftschiffe pro Jahr

Nach Schätzungen von Ben Magec passieren jährlich etwa 7.000 dieser gefährlichen „Giftschiffe“ die internationalen Gewässer um die Kanarischen Inseln. Die Umweltschutzorganisation kritisiert  nicht nur die Tatsache, dass die nationalen und regionalen Behörden unverständlich nachlässig mit dem Thema umgehen. Als nicht minder schwerwiegend wird jedoch angesehen, dass die Kanarischen Inseln in keiner Weise auf eine mögliche Ölkatastrophe vorbereitet sind. Selbst ein weit wenig schwerwiegender Vorfall als der Untergang des havarierten Öltankers Prestige im November 2002 vor der galicischen Küste hätte schlimmste Folge für den kanarischen Archipel.

Das spanische Umweltministerium hat sich in dieser Angelegenheit bereits an die Europäische Union gewandt, um Unterstützung auf höchster Ebene gegen die Giftmüllschiffe zu erhalten. Umweltministerin Cristina Narbona will jedoch keine falschen Hoffnungen wecken, denn die Aussichten auf effektive Hilfe sind eher gering.

Dennoch werde Spanien alles daran setzen, die EU-Mitgliedsstaaten zur Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit zu bewegen. Es gehe nun mal um internationale Gewässer, so dass ein Land allein nur wenig ausrichten könne, meinte Narbona unter anderem.

Vorerst keine Ölbohrungen

Narbona nahm in diesem Zusammenhang auch Bezug auf die zweite Gefahr, die Umweltschützer für die Gewässer um die Kanarischen Inseln wähnen: die Ölbohrungen, die der spanische Ölkonzern Repsol bereits seit längerem vor den Kanarischen Inseln durchführen will.

Die Umweltministerin erklärte diesbezüglich, dass zumindest kurzfristig die Gefahr gebannt sei, denn der spanische Ministerrat habe vor einigen Monaten und auf ausdrücklichen Wunsch von Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero das Genehmigungsverfahren hierfür bis auf weiteres gestoppt.




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