Kanarische Hilfsorganisation öffnet Bevölkerung in Guinea Bissau die Augen


Eine Fotoausstellung mit Bildern des Dramas soll abschrecken – und wirkt

Die kanarische Hilfsorganisation Atamam hat in Zusammenarbeit mit den Fotoreportern Gabriel Tizón von El Pais und Juan Medina von Reuters eine Fotoausstellung in Guinea Bissau veranstaltet, um die Bevölkerung dieses Landes über die Gefahren und Folgen der illegalen Einwanderung nach Europa auf dem Seeweg aufzuklären.

Verónica Rodríguez, Vorsitzende der Hilfsorganisation, erklärte nach ihrer Rückkehr erschüttert, dass sie sowohl von den dortigen Behörden als auch von Familienangehörigen erfahren habe, dass junge Männer, die nach einer geglückten Überfahrt auf die Kanarischen Inseln im Rahmen eines Rückführungabkommens in die Heimat zurückgekehrt waren, sich das Leben genommen haben. Weiter berichtete Rodríguez, dass die Regierung von Guinea Bissau um Hilfe für diese jungen Leute gebeten hat, die nach ihrer Rückkehr oftmals in ein schweres psychologisches Loch fallen.

Die erzwungene Rückkehr in die Heimat bedeutet für sie den Verlust ihrer Identität, die Schande des missglückten Aben­teuers Europa und enorme Schwierigkeiten für einen Neuanfang, denn sie haben ihr gesamtes Geld für die Überfahrt ausgegeben.

Die Fotoausstellung „No más muertes en el mar, educar para crecer“ an der staatlichen Universität Amílcar Cabral zeigte anhand von dramatischen Bildern die viel zu häufige Wirklichkeit der Reisen im Cayuco, das was die Schlepperorganisationen verschweigen. Denn wie Verónica Rodríguez durch diese Aktion erfahren hat, werden die meisten Immigranten von den „Mafias“ mit einer falschen Version der Tatsachen geködert. Die Besucher der Ausstellung hätten die Bilder stumm betrachtet und an ihren Gesichtern sei abzulesen gewesen, dass sie sich solch ein tragisches Ende nie hätten vorstellen können. „Auf diese Weise haben sie sich mit eigenen Augen davon überzeugt, dass die Reise im Cayuco nicht nach El Dorado führt“, sagt sie. Mit Entsetzen hätten die Menschen die Bilder von toten oder völlig erschöpften Afrikanern betrachtet, „so als hätten sie sie persönlich gekannt“, berichtet Verónica Rodríguez.

Die Ausstellung wurde von vielen Jugendlichen, Frauenverbänden und auch von Politikern besucht, und die Veranstalter sind davon überzeugt, dass sie ihren Zweck erfüllt hat. Außerdem hielt Gabriel Tizón mehrere Vorträge über seine Arbeit als Fotoreporter auf den Kanaren mit dem Spezialgebiet illegale Immigration und seine hautnahen Erlebnisse in den kanarischen Häfen. An den naiven Fragen, die viele Zuhörer stellten, sei klar zu erkennen gewesen, wie wenig die Bevölkerung in Guinea Bissau über die Wirklichkeit der „Reise nach Europa“ weiß.




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