Kanaren im Goldrausch


© Moisés Pérez

Das Geschäft mit dem An- und Verkauf von Gold floriert

Die Krise fordert zahlreiche Opfer von der kanarischen Wirtschaft. Geschäftsschließungen sind praktisch an der Tagesordnung. Doch es gibt anscheinend auch noch Geschäfte die gut gehen.

Neueröffnungen, und zwar verstärkt in einem ganz besonderen Marktsegment, scheinen dies zu belegen. Filialen für An- und Verkauf von Gold sind in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden geschossen und an fast jeder Ecke durch auffällige rot-gelbe Schilder zu finden. Manche sind sogar dicht beieinander, was offensichtlich dem Geschäft nicht schadet.

Einerseits hat der gestiegene Goldpreis sicherlich damit zu tun – am 31. Dezember 2005 wurde Gold noch mit 513 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) gehandelt, am 31. Dezember 2009 lag der Goldpreis bereits bei 1.104 US-Dollar und vor kurzem sprang er auf atemberaubende 1.400 US-Dollar. Vermutlich spielt aber weniger die Kaufkraft des Goldes eine Rolle als die Not der Menschen. Für das florierende Geschäft des An- und Verkaufs von Gold ist auch die Tatsache mitverantwortlich, dass ein großer Prozentsatz der kanarischen Bevölkerung (mittlerweile katastrophale 28,67%) arbeitslos ist, und die Umwandlung von Goldschmuck in Bargeld sicherlich oft eine Lösung für akute finanzielle Nöte darstellt. Auf diese Weise hat der Goldrausch die Kanaren erfasst und die Zahl der Unternehmer, die sich diesem neuen lukrativen Geschäft widmen, droht den Markt zu übersättigen.

Der Inhaber der Juwelierkette „Te quiero”, die auf den Inseln seit 1985 etabliert ist und An- und Verkauf betreibt, ist Zeuge dieses Booms: „Der Wettbewerb hat sich auf bes­tialische Art gesteigert und ist oft auch unlauter”, erklärte Francisco Morales der Zeitung Diario de Avisos gegenüber. Ein enormes Angebot ist die Antwort auf die gestiegene Nachfrage, doch die Rentabilität ist durch den Konkurrenzkampf stark zurückgegangen. Darüber sind sich er und Anais Trejo, Besitzerin der Juweliergeschäfte „La Francia” einig. „Die Goldhändler machen sich gegenseitig zunichte und die Kunden rennen von einem Geschäft zum anderen, um den besten Preis zu erzielen.”

Ein Gramm 18 Karat Gold wechselt derzeit für etwa 20 Euro den Besitzer, wenn es sich um 24 Karat Gold handelt oder das Goldstück mehrere Gramm wiegt, steigt der Preis.

Sicheres Investment

Ein anderer Faktor dürfte sein, dass die Anleger immer weniger den Banken vertrauen. Wertpapiere verlieren an Beliebtheit zugunsten von Goldbarren und Edelmetallmünzen. „Niemand traut der Bank, und Gold ist immer eine Anlagemöglichkeit in Krisenzeiten gewesen. Der Wert steigt um rund 25 % und übertriff somit alle anderen Anlageformen”, weiß Sander González vom Unternehmen Oros y Metales Godar, das auf den Kanaren Goldbarren und Edel­metallmünzen vertreibt.

Die Kundschaft der Gold-Shops ist so verschieden wie die Stücke, die sie zum Verkauf anbietet. Gemein haben die meisten aber, dass sie aus Not verkaufen. Defekte Ketten, Einzelteile und kleine Schmuckgegenstände ebenso wie schwerere Kaliber. „Ich habe jemandem schon mal 17.500 Euro gezahlt”, gibt Anais Tajo gegenüber Diario de Avisos zu.

Ein Großteil des Schmucks, der von den Goldankauf-Filialen erworben wird, landet nicht wieder im Schaufenster, sondern wird zu Barren verarbeitet. Auf den Kanarischen Inseln kauft die Firma Oros y Metales Godar die Bestände der kleinen Goldhandelsfilialen auf und schickt das Gold in die Schweiz, wo es zu Barren verarbeitet wird. Die Goldbarren kehren dann auf die Inseln zurück, wo sie von privaten Investoren, Unternehmen oder Banken erworben werden.

Sander González ist davon überzeugt, dass Gold momentan eine der besten und sichersten Investitionsmöglichkeiten ist. Sowohl der An- als auch der Verkauf von Gold sei steuerfrei, auch sei Gold die einzige Währung, die von keinem Staat kontrolliert wird, habe einen sicheren Wert und es sei zu erwarten, dass der Preis nach der Krise „stratosphärische Höhen” erreicht. Schon heute werde die Feinunze für 1.500 US-Dollar gehandelt, und González wagt die Prognose: „Der Goldpreis könnte in zehn Jahren 5.000 US-Dollar pro Feinunze erreichen.” [Anm. d. Redaktion: Am 29. November lag der Dezember-Future an der Terminbörse NYMEX bei 1.359,80 Dollar je Feinunze]




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