Kanaren im Ausnahmezustand

Die Schäden des Sandsturms, der am 22. und 23. Februar auf den Inseln wütete, sind enorm. In Anbaugebieten wie El Rincón in La Orotava Fotos: EFE/Cabildo de Tenerife

Schlimmste Calima seit 40 Jahren

Kanarische Inseln – Bereits am Freitag erfolgte die Warnung durch die Regionalregierung: Ab Samstagabend 21.00 Uhr sei angesichts der Vorhersage des Wetteramtes Aemet mit starkem Wind aus östlicher und südöstlicher Richtung mit Böen von 80 bis 120 Kilometern pro Stunde zu rechnen. Außerdem werde erneut Sand aus der Sahara auf die Inseln gelangen. Dass es die schlimmste Calima der letzten Jahrzehnte werden sollte, war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar.
Das Wetterphänomen traf die Inseln am 23. Februar dann mit voller Wucht. Der Sandsturm fegte mit Geschwindigkeiten von örtlich bis zu 160 km/h über die Inseln und ein dichter gelblich-rötlicher Schlei-­
er aus Sand legte sich über den Archipel. Hinzu kamen hohe Temperaturen von über 30 Grad und starker Seegang.
Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse und des Sturms wurden Flughäfen zeitweise gesperrt; mehr als 360 Flüge waren betroffen und wurden umgeleitet oder fielen aus.

Eines der in Santa Úrsula vom Feuer betroffenen Wohnhäuser. Foto: Moisés Pérez
Eines der in Santa Úrsula vom Feuer betroffenen Wohnhäuser. Foto: Moisés Pérez

Im Hafen von Los Cristianos kam es zum Zusammenstoß von zwei Schiffen. Die Fähre Bencomo von Fred.Olsen wurde beim Auslaufen vom starken Seegang zu der im Hafen liegenden Fähre Taburiente von Naviera Armas getrieben und konnte den Zusammenstoß nicht verhindern.
Im Norden Teneriffas brachen nahezu zeitgleich mehrere Feuer aus, die durch den heftigen Wind angefacht wurden. Infolge von Bränden in La Orotava, Los Realejos, San Juan de la Rambla, La Guancha, Santa Úrsula und Puerto de la Cruz mussten mehr als 1.000 Personen evakuiert werden. Besonders kritisch war die Lage am Spätnachmittag des 23. Februar in Santa Úrsula, wo nahe des Rathauses ein Feuer ausbrach, das sich rasend schnell seinen Weg in Richtung Autobahn fraß. Die Flammen schlugen meterhoch und der Wind trug die Funken über die Autobahn, sodass sich der Brand bis nach La Quinta ausbreitete, wo nicht nur Anwohner, sondern auch die Gäste des Hotels La Quinta Park evakuiert werden mussten.
Sämtliche Feuerwehrkräfte der Insel waren im Einsatz, um die verschiedenen Brandherde unter Kontrolle zu bringen. Santa Úrsulas Bürgermeister Juan Acosta sagte Tage später in einem Interview, dass es ohne die Kooperation der Bevölkerung wohl Opfer gegeben hätte. Dank des koordinierten Einsatzes der Feuerwehr und des beherzten Einsatzes vieler Bürger, die nicht zögerten, zum Gartenschlauch zu greifen, um die Flammen in Schach zu halten, blieb es bei Sachschäden. 30 Wohnhäuser wurden in Santa Úrsula teilweise oder ganz vom Feuer zerstört. Die Stadtverwaltung kümmert sich laut Juan Acosta um die Notunterbringung von 11 Personen, die ihr Zuhause verloren haben oder deren Haus momentan nicht bewohnbar ist. Sie wurden in Apartements in Puerto de la Cruz einquartiert.

Auf Gran Canarias Flughafen wurde der Verkehr lahm gelegt. Foto: EFE
Auf Gran Canarias Flughafen wurde der Verkehr lahm gelegt. Foto: EFE

Für Polemik sorgte die Tatsache, dass während Sturm und Feuer die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden im Norden in Angst und Schrecken versetzten und viele Menschen um ihre Häuser fürchten mussten, in Santa Cruz de Tenerife Karneval gefeiert wurde. Bürgermeisterin Patricia Hernández und ihr Team beschlossen am Vormittag des 23. Februar, dass der Karneval fortgesetzt würde, nachdem der Straßenkarneval in der Nacht zuvor wegen der Sturmwarnung abgesagt worden war. La Orotavas Bürgermeister Francisco Linares gehörte zu den Kritikern dieser Entscheidung. Auf Instragram brachte er seinen Unmut darüber zum Ausdruck: „Brände in La Orotava, Los Realejos, Santa Úrsula und La Guancha. Unterdessen findet in S.C. der Karneval statt. Wo bleiben Solidarität und Anstand. Wir sind alle Teneriffa“, postete er.

Feuer auf Gran Canaria

Auf Gran Canaria brach am 22. Februar ein Feuer in der Nähe der Ortschaft Tasarte aus, das auch das Naturschutzgebiet Inagua erreichte. Obwohl Löschtrupps sich darum bemühten, die Flammen zu ersticken, konnte der Brand erst zwei Tage später, als Sturm und Calima sich gelegt hatten und Löschhubschrauber eingesetzt werden konnten, unter Kontrolle gebracht werden. Etwa 1.000 Hektar Land wurden Opfer des Feuers.

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