Kalte Sonnen und lebensfreundliche Planeten


IAC-Direktor Rafael Rebolo (l.) und Vertreter des SPECULOOS-Teams bei der feierlichen Einweihung am 20. Juni. Foto: Carmen del Puerto/IAC

Das Teleskop Artemis wird gemeinsam mit vier weiteren Teleskopen des Projekts SPECULOOS nach erdähnlichen Himmelskörpern suchen

Teneriffa – Im Teide-Observatorium wurde dieser Tage das Teleskop Artemis eingeweiht. Es ist Teil des Projekts SPECULOOS (Search for habitable Planets Eclipsing Ultra-Cool Stars), zu dem noch vier weitere Teleskope im Paranal-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste gehören. Artemis ist das erste von bis zu vier geplanten Teleskopen mit 1-Meter-Hauptspiegeln, welche die Himmelsperspektive der Nordhalbkugel der Erde in das Projekt einbringt. Es wurde durch das MIT, das Massachusetts Institute of Technology, errichtet, dessen Projektleiter Julien De Witt bei der Einweihung zugegen war.

SPECULOOS sucht innerhalb der Milchstraße nach potenziell bewohnbaren Planeten von der Größe der Erde, die um ultrakühle Sterne oder Braune Zwerge kreisen und sich innerhalb der „habitablen Zone“ befinden, also dort, wo die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben.

Die Temperatur der ultrakühlen Sterne liegt unter 2.500°C, während die Temperatur unserer Sonne bei 5.500°C liegt. Und sie sind auch viel kleiner: Die Sonne verhält sich von der Größe her zu den ultrakühlen Sternen wie eine Orange zu einer Kirsche. Die gesuchten erdgroßen Planeten verhalten sich dazu wiederum wie Salzkörner. Diese leuchtschwachen Sterne sind zwar schwer zu beobachten, doch es gibt sie in großer Zahl: Sie machen rund 15% der Sterne im erdnahen Universum aus.

Die Planetensuche wird mithilfe der Transitmethode durchgeführt. Diese nutzt das Phänomen, dass ein Planet, der vor seinem Stern vorbeizieht, einen Teil des Sternenlichts blockiert, was zu einer geringen, aber erkennbaren Abdunkelung des Sterns führt. Planeten von kleineren Sternen blockieren während ihres Vorbeizugs einen größeren Anteil des Sternlichts, sodass deren periodische Verdunkelungen leichter zu erkennen sind als die von größeren Sternen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Tatsache, dass diese Sterne von ihren Planeten in durchschnittlich nur 20 Tagen umkreist werden – so müssen die Forscher nicht jedes Mal ein Jahr warten, um die Verdunkelung erneut zu beobachten.

Ein Vorläufer von SPECULOOS ist das Projekt TRAPPIST, das aus zwei 60-Zentimeter-Spiegelteleskopen im La-Silla-Observatorium in Chile und im Oukaïmeden-Observatorium in Marrakesch besteht und heute SPECULOOS unterstützt. 2016 haben belgische Forscher unter der Führung von Michaël Gillon von der Universität Lüttich (heute Forschungsleiter des Projekts SPECULOOS) in der Zeitschrift Nature ihre Ergebnisse zum Planetensystem TRAPPIST-1 veröffentlicht, das drei erdgroße Planeten beherbergt.

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