Inferno auf La Palma


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4.500 Hektar Bergwald verbrannt – Über 3.000 Einwohner evakuiert

La Palma – Der August begann für die Isla Bonita mit einer Katastrophe. Nach Berichten der kanarischen Presse führte die Unvorsichtigkeit eines jungen Deutschen, der in einer Höhle im Bergwald bei Jedey Quartier bezogen hatte, zu einem der verheerendsten Waldbrände der letzten Jahre. 4.500 Hektar Bergwald – um die Cumbre Vieja bis nach Fuencaliente an der Südspitze La Palmas – wurden ein Raub der Flammen.

Die Feuerfronten kamen diversen Siedlungen in den Gemeinden Fuencaliente, El Paso und Villa de Mazo gefährlich nahe. Foto: EFE
Die Feuerfronten kamen diversen Siedlungen in den Gemeinden Fuencaliente, El Paso und Villa de Mazo gefährlich nahe. Foto: EFE

Der Brand brach am frühen Nachmittag des 3. August südlich der Ortschaft Jedey am Südhang der Cumbre Vieja aus. Zügig machten sich die auf der Insel verfügbaren Einsatzkräfte daran, das Feuer einzudämmen. Noch hatte man die Hoffnung, eine größere Katastrophe verhindern zu können, doch die vorherrschenden Bedingungen machten das unmöglich.

Fünf Faktoren nach der „Regla del 30/30/30“ verwandelten den Brand in eine Katastrophe: Mehr als 3o°C (bis zu 40°) Hitze; eine relative Luftfeuchtigkeit unter 30%; 30° Steigungen in dem steilen, zerklüfteten Gelände der Bergkette beschleunigen die Ausbreitung des Feuers; 30 Tage ohne Regen sowie Windgeschwindigkeiten über 30 Stundenkilometer, ein heißer Wind aus der Sahara, der die Flammen anfachte und über weite Strecken vorantrug.

Schon in der ersten Nacht geschah das Unglück, welches die Erinnerung an diesen Waldbrand prägen wird: Ein Waldhüter wurde von den Flammen eingeschlossen und starb.

Doch für die Trauer um den Kameraden blieb kaum Zeit, denn das Feuer breitete sich am zweiten Tag an drei Fronten nach Norden, Süden und Osten aus.

Der Großbrand breitete sich von Jedey gen Norden, Osten und Süden aus. Foto: EFE
Der Großbrand breitete sich von Jedey gen Norden, Osten und Süden aus. Foto: Gobierno de Canarias

Nach und nach trafen in den folgenden Stunden und Tagen Löschhubschrauber und -flugzeuge von den Nachbarinseln und vom Festland ein, um die auf La Palma operierenden Helikopter zu unterstützen. Auch die Katastropheneinsatztruppe des Militärs UME kam zu Hilfe. Dennoch sollte es noch mehrere Tage dauern, bis die Ausbreitung des Feuers gestoppt werden konnte.

Bald wurde es nötig, 700 Bewohner von El Paso zu evakuieren, weil die Feuerfront gefährlich nah an verschiedene Siedlungen heranrückte. Später mussten noch weitere 1.800 Einwohner von Fuencaliente im Süden ihre Häuser verlassen.

Auch am darauffolgenden Freitag drang das Feuer immer weiter vor. Es gelang jedoch, die Siedlungen zu schützen. Nachdem die Ausbreitung der Flammen am Samstag schließlich an zwei der drei Fronten – in El Paso im Norden und Fuencaliente im Süden – weitgehend unter Kontrolle gebracht war, konnten rund 2.000 der Evakuierten wieder in ihre Häuser zurückkehren.

In der Nacht zum Sonntag wütete das Feuer in einem für die Löscheinheiten zu Lande und aus der Luft schwer zugänglichen Gebiet und bedrohte zwei Siedlungen. Um zwei Uhr in der Früh mussten diese dann ebenfalls evakuiert werden. Tagsüber konzentrierten sich die Löscharbeiten auf die Osthänge des Gebirgszuges. Zum Abend hin gelang es endlich, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und eine weitere Ausbreitung zu stoppen.

Bis alle Glutherde in dem betroffenen Gebiet erloschen sind, werden jedoch erfahrungsgemäß noch mehrere Wochen vergehen.

Der Waldbrand konnte sich aufgrund der Trockenheit und der ungünstigen Wetterbedingungen über den Naturpark Cumbre Vieja ausbreiten. Foto: EFE
Der Waldbrand konnte sich aufgrund der Trockenheit und der ungünstigen Wetterbedingungen über den Naturpark Cumbre Vieja ausbreiten. Foto: EFE

Insgesamt hat das Feuer, bis es unter Kontrolle gebracht werden konnte, 4.500 Hektar Wald, Buschland und auch einige Hektar Weinbaugebiet zerstört. Wohnhäuser waren nicht betroffen, doch etliche land- und forstwitschaftliche Bauten wurden ein Raub der Flammen. An den Löscharbeiten waren 220 Brandschutz- und Forstfachleute, 100 freiwillige Helfer und 60 Polizisten verschiedener Einheiten beteiligt. Insgesamt kamen 13 Löschflugzeuge und -hubschrauber zum Einsatz.

Im Einsatz getötet

Zum ersten Mal seit 32 Jahren hat auf den Kanaren ein Waldbrand ein Todesopfer gefordert. Der Waldhüter Francisco José Santana, ein Mann mit 20 Jahren Erfahrung in der Brandbekämpfung, arbeitete in der ersten Nacht nach dem Ausbruch des Feuers mit seinen Kollegen direkt an der Feuergrenze in einem von Schluchten durchzogenen Gelände, mit starken Steigungen und hohem Kiefernbewuchs. Als der Wind überraschend drehte, wurde er durch eine Flammenfront von seiner Gruppe getrennt. Seine Kameraden meldeten ihn als vermisst und suchten die ganze Nacht nach ihm. Am Morgen fanden sie ihn leblos auf, er war von den Flammen eingeschlossen und getötet worden. Der 54-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und fünf Kinder.

280 Einsatzkräfte des Cabildos, der Regionalregierung, der Katastropheneinsatztruppe des Militärs und der Polizei sowie 100 Freiwillige kämpften gegen die Flammen an. Foto: EFE
280 Einsatzkräfte des Cabildos, der Regionalregierung, der Katastropheneinsatztruppe des Militärs und der Polizei sowie 100 Freiwillige kämpften gegen die Flammen an. Foto: EFE

Während es auf den Kanaren seit dem Jahr 1984 keine Todesopfer durch Waldbrände gab – damals kamen bei einem Feuer auf La Gomera 20 Menschen ums Leben, darunter der Zivilgouverneur der Provinz Teneriffa – sind in ganz Spanien allein seit dem Jahr 2000 70 Brandbekämpfer ums Leben gekommen.

Die betroffenen Einwohner La Palmas lobten die Rettungskräfte, die teilweise über ihre Kräfte hinaus das Inferno rund um die Uhr bekämpften. Foto: EFE
Die betroffenen Einwohner La Palmas lobten die Rettungskräfte, die teilweise über ihre Kräfte hinaus das Inferno rund um die Uhr bekämpften. Foto: EFE

Fehlgeleiteter Umweltschutz

Kurz nach Ausbruch des Feuers traf eine Polizeistreife, die dabei war die Landstraße LP-2, die durch das betroffene Waldstück nach Jedey führt, abzusperren, auf einen jungen Deutschen. Dieser gab an, den Waldbrand versehentlich verursacht zu haben. Die Beamten nahmen den 27-Jährigen daraufhin fest.

Scott V. S., der offenbar ohne festen Wohnsitz in einer Höhle im Wald lebt, berichtete, er habe Toilettenpapier verbrannt, um keinen Müll im Wald zurückzulassen. Dabei seien die trockenen Kiefernnadeln in Brand geraten, und es sei ihm nicht gelungen, diese wieder zu löschen. Später half er der Polizei bei der Vor-Ort-Rekonstruktion der Vorgänge.

Augenscheinlich glaubte der Richter, dem er zwei Tage später vorgeführt wurde, die Darstellung des jungen Deutschen, denn er ordnete Untersuchungshaft ohne Kaution an, unter der Anklage grob fahrlässig einen Waldbrand verursacht zu haben. Die deutsche Botschaft prüft gerade, in welcher Weise sie dem Mann zur Seite stehen kann.

Wie auch das Urteil ausfallen wird, die schwerste Strafe wird für den jungen Mann darin bestehen, damit zu leben, dass er indirekt den Tod eines Menschen verursacht hat.




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