In der Wüste ausgesetzt


Das Drama der Flüchtlinge aus Afrika beginnt schon lange vor der Überfahrt

Im „goldenen Westen“ sind die dramatischen Bilder afrikanischer Bootsflüchtlinge, die am Ende ihrer Kräfte die Kanarischen Inseln, das spanische Festland und in letzter Zeit auch verstärkt Inseln wie Malta oder Lampedusa erreichen, in den Nachrichten schon seit längerem keine Seltenheit mehr.

Dass das Drama für die Bootsflüchtlinge jedoch schon lange, bevor sie die lebensgefährliche Überfahrt antreten, beginnt, darüber wird nur selten berichtet.

Freiwillige Helfer von Ärzte der Welt, dem Roten Kreuz und CEAR haben jetzt jedoch ein weiteres Gesicht des ganzen Elends publik gemacht. Denn den Fluchtwilligen, die sich gutgläubig oder resigniert in die Hände korrupter und skrupelloser Menschenhändler oder Schlepper begeben haben, droht häufig schon lange vor der Überfahrt mit dem Boot Lebensgefahr. So entdeckten Mitglieder von Ärzte der Welt Mitte September 16 Flüchtlinge in einem wüstenartigen, minenverseuchten Gebiet zwischen der Westsahara und Mauretanien. Ihren Aussagen zufolge waren sie von marokkanischen Polizisten dort ausgesetzt worden, nachdem sie eine Woche eingesperrt gewesen waren.

Per Fingerzeig hatten man ihnen die Richtung gezeigt, wo die mau­retanische Hafenstadt Nhouadhibou liegen sollte und sie ohne Wasser, Nahrung und Schuhe ihrem Schicksal überlassen. Vielen ihrer Leidensgenossen sei es ähnlich ergangen. Alle seien sie zuvor bei dem Versuch, von der marokkanischen Küste aus in See zu stechen, von der dortigen Polizei aufgegriffen worden. Um sich des Problems zu entledigen, habe man sie später im „Niemandsland“ ausgesetzt.

Wenige Tage darauf bestätigte sich auf dramatische Weise auch ihre Aussage, viele von ihnen hätten die Strapazen nicht überlebt, als in der algerischen Sahara die Leichen von 25 afrikanischen Flüchtlingen entdeckt wurden.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind sie zwar nicht von marokkanischen Polizisten ausgesetzt worden, sondern Opfer skrupelloser Menschen­händler geworden. Doch für ihr tragisches Ende war das letztendlich unerheblich. Wäh­renddessen wird weiter nach einer Gruppe von etwa 20 afrikanischen Flüchtlingen gesucht, die in der Westsahara unterwegs sein sollen, ohne Wasser, Lebensmittel und ohne Schuhe.




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