„Ich bin ein Zeichner, kein Maler“


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Künstler Peter Wehr

Auf die Frage, was denn der Unterschied sei, erklärt Peter Wehr: „Die Zeichnung entsteht im Kopf, sie ist direkt, spontan, sie muss sitzen, sobald man sie zu Papier bringt.

Seit 1990 lebt das Hamburger Künstlerpaar Murki und Peter Wehr die Hälfte des Jahres auf Fuerteventura, ihrer zweiten Heimat. Eine alte Finca im Norden der Insel wurde mit viel Arbeit und Liebe zum Detail zu einem Künstlerrefugium umgebaut, die einstige Küche ist heute Murkis Arbeitszimmer und der vormalige Kamelstall Peters Atelier.

Was zog und zieht die beiden von der deutschen Metropole auf die kargste der kanarischen Inseln? Die Antwort kommt prompt: „Sie lässt uns ‚sein’, hier kann man Auge und Geist schweifen lassen, zur Ruhe kommen, Erlebtes und Gefühltes verarbeiten und zu Papier bringen.“

Das erste künstlerische Projekt (1992-2003) Peter Wehrs auf Fuerteventura war denn auch der Bilderzyklus ¿Qué hablan las montañas? über die Landschaften der Insel und deren Zerstörung durch bedenkenlose Bauprojekte. „Die Landschaft wurde hingemacht ohne Rücksicht auf Verluste“, beschreibt der Künstler seine damaligen Eindrücke. „Ich wollte mit meiner Arbeit zeigen, wie schön diese Gegend ist, und wie sie Stück für Stück zerstört wird. Ich wollte einen kritischen Standpunkt beziehen, habe aber gemerkt, dass es plakativ nicht funktioniert. Die Leute achten nicht darauf. Deshalb malte ich Bilder der schönen Landschaft und schrieb dazu einen bösen Text. Das wirkte: ‚Der zerstört ja mit der Schrift die schönen Bilder!’ hieß es.“ Der Bilderzyklus ging später innerhalb der Wanderausstellung Agua mit Werken spanischer Künstler nach Lissabon. 

Aus einer Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Hamburg und dem Centro de Arte Juan Ismael (CAJI) in Puerto del Rosario entstand 2005 die Ausstellung ‚Löschpapier’ / ‚Borrón y cuenta nueva’, eine Sammlung von Pastellen und Zeichnungen.

2010 wurde Peter Wehr dann eine besondere Ehre zuteil: er war der erste nichtspanische Künstler, der eine Einzelausstellung im alten Regierungssitz der Insel, der historischen Casa de los Coroneles in La Oliva hatte. In „hombres“ setzte er sich auf seine eigenwillige, kritische und künstlerische Art mit dem Thema Mann auseinander. 

Seine bisher aktuellste Ausstellung mit rund 40 Arbeiten aus den Jahren 2009 bis 2013, war vergangenen März in der „Fabrik der Künste“ in Hamburg zu sehen. Darunter auch etliche großformatige Bilder, die hier auf der Insel entstanden sind.

Neben seiner Arbeit an Einzelausstellungen nimmt Peter Wehr regelmäßig an dem Wettbewerb „El Artista y la Isla“ teil, der dieses Jahr zum sechsten Mal stattfindet. Die 30 besten Arbeiten der Künstler/innen Fuerteventuras zeigen einen Querschnitt hiesigen künstlerischen Schaffens und werden im CAJI ausgestellt. Peter Wehrs Arbeiten waren immer dabei. 




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