Hugo Chávez‘ Tod löst unter Exil-Venezolanern gemischte Gefühle aus


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Auf den Kanarischen Inseln leben 40.000 Residenten aus Venezuela

Der Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez hat auf den Kanarischen Inseln ein besonders intensives Echo gefunden. Seit der Auswanderungswelle Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, während der Zehntausende Canarios aus Not die Heimat verließen und in Venezuela ihr Glück suchten, wird Venezuela auch die „achte Insel“ genannt.

Noch heute gibt es eine bedeutende und einflussreiche kanarische Gemeinde in dem südamerikanischen Land. Dies fand auch seinen Ausdruck in den Äußerungen führender kanarischer Politiker.

Kanarenpräsident Paulino Rivero sagte: „Ich wünsche, dass der Prozess, der jetzt beginnt, sich in Normalität und Ruhe entwickeln wird und appelliere an die innere Einheit des venezolanischen Volkes, denn wenn es Venezuela gut geht, dann geht es auch den Kanaren gut.“ Noch gefühlvoller äußerte sich Teneriffas Inselpräsident Ricardo Melchior: „Wir Tinerfeños empfinden Venezuela wie unser eigenes Land und sehen es als unsere achte Insel an; wir drücken unsere Trauer und unseren tiefempfundenen Respekt vor diesem warmherzigen Land aus, das den Kanaren so tief verbunden ist.“

Unter den 40.000 Venezolanern, die auf den Kanaren leben und von denen viele kanarische Wurzeln haben, löste Chávez‘ Tod eher die Hoffnung auf einen Politikwechsel in ihrem Heimatland als Trauer aus. Die Gruppe der „Antichavisten“ ist groß, weil viele wohlhabende Venezolaner vor den Verstaatlichungen des „Führers der bolivarianischen Revolution“ ins Ausland ausgewichen sind. Während der vierzehn Jahre andauernden Präsidentschaft Hugo Chávez‘ wanderten Hunderttausende aus ihrem Heimatland aus. Darunter sind viele Unternehmer, die fürchten, dass ihre Firmen der nächsten Verstaatlichungswelle zum Opfer fallen könnten. Bei den letzten Wahlen stimmten folgerichtig nur 6,8% der auf den Kanaren lebenden, wahlberechtigten Venezolaner für die Regierungspartei, während 92,3% ihre Stimme dem Kandidaten der Opposition, Henrique Capriles, gaben.

Auch die Canarios selbst schauen dieser Tage gebannt nach Venezuela, denn Tausende von ihnen haben Verwandte dort und machen sich nun Sorgen darum, ob diese sicher durch diese Phase des Umbruchs kommen werden.

Bei anderen Gruppen wiederum herrscht große Trauer. Das venezolanische Konsulat auf Teneriffa schaltete in den kanarischen Tageszeitungen große Todesanzeigen für den verstorbenen Regierungschef und ließ seine Pforten während der dreitägigen Staatstrauer geschlossen. In der Empfängniskirche von La Laguna ließ Generalkonsul David Nieves eine Messe zu Hugo Chávez‘ Gedenken lesen.

In den Hauptstädten Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife versammelten sich Dutzende von kanarischen und venezolanischen Anhängern der „bolivarianischen Revolution“ auf der Straße, um das Andenken von Hugo Chávez zu ehren und zu fordern, dass seine sozioökonomischen Reformen weitergeführt werden.

Zu den Beerdigungsfeierlichkeiten in Venezuela reisten Regierungschefs und Repräsentanten aus über fünfzig Ländern an, um dem venezolanischen Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen. Für Spanien nahm Kronprinz Felipe an der Zeremonie teil.




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