Günter Grass verbrachte Weihnachten auf La Palma


© BILA

Anlässlich des ersten Jahrestags der deutschen Bücherei auf der Insel hielt er eine Lesung

Der deutsche Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass verbrachte die Weihnachtsfeiertage und Neujahr auf der kleinen Kanaren-Insel La Palma. Was für viele eine große Überraschung war, hat eine ganz einfache Erklärung: Der Sohn des bekanntesten lebenden Schriftstellers Deutschlands lebt seit vielen Jahren auf der Insel, weswegen Grass bereits wiederholt seine Ferien dort verbrachte.

In Begleitung von zwei Enkelinnen sah man den Literaten, der 1999 mit dem spanischen Prinz von Asturien-Preis ausgezeichnt wurde, unter anderem durch die Inselhauptstadt Santa Cruz spazieren und einige der kleinen Geschäfte besuchen. Vor allem aber interessierte sich Grass für die laufenden Kunstausstellungen.

Er liebe das ländliche Leben und die Natur, ließ Grass einen Journalisten der kanarischen Presseagentur ACFI wissen. Grass ließ sich weder durch Medienvertreter noch durch die vielen Schaulustigen und Fans aus der Ruhe bringen, die ihn bei seinem Streifzug durch die Stadt erkannten. Freundlich lächelnd grüßte er jeden, der sich ihm näherte.

Einen der Höhepunkte seines Besuches – vor allem für die deutsche Kolonie auf der Insel – stellte sicherlich die Lesung dar, die er am 29. Dezember auf Bitten der Deutschsprachigen Bibliothek auf La Palma (BILA) in der Casa de la Cultura in Los Llanos de Aridane hielt. Anlass der Lesung war die Eröffnung der Ausstellung „Das Buch im Bild“. Gleichzeitig war die Lesung von Günter Grass die erste literarische Veranstaltung der BILA überhaupt.

Grass, der mit seiner Teilnahme die „wichtige Arbeit“ der BILA unterstützen wollte, trug im Rahmen der Veranstaltung, die hauptsächlich von deutschen Residenten besucht wurde, verschiedene Gedichte und Kurzgeschichten sowie einen Auszug aus seiner Biographie vor.

Auf Bitten der kanarischen Medienvertreter, die ebenfalls in großer Zahl erschienen waren, wurde im Anschluss eine Pressekonferenz improvisiert, bei der sich der Schriftsteller positiv über den kulturellen Austausch äußerte, der durch die Auswanderung ermöglicht wird. „Früher zogen viele Ausländer nach Deutschland“, sagte er wörtlich. Das habe die deutsche Kultur sehr bereichert. „Heute wandern viele Deutsche auf der Suche nach einem anderen Leben aus.“ Der daraus entstehende kulturelle Ausstausch sei für beide Seiten eine Bereicherung.

Nachdem Günter Grass Anfang Januar die Insel wieder verlassen hatte, berichtete die Deutsche Bücherei unserer Redaktion: „Nicht nur die BILA in Puntallana und die Lesung in Los Llanos haben ihm gefallen, sondern auch von der Isla Bonita selbst war er sehr angetan. Ein Dutzend Grass-Skizzen mit Motiven von verschiedenen Punkten der Insel befanden sich in seinem Gepäck.

Der Schriftsteller äusserte die Absicht, wiederzukommen. Auch eine weitere Lesung schloss er keinesfalls aus. Für die BILA signierte Grass noch etliche Bücher und wünschte recht viel Erfolg für die weitere Arbeit der erlesenen Bibliothek.“




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