Guanchenmumie im MAN ist 850 Jahre alt


Die wertvollen Überreste des Guanchenmannes sind im archäologischen Museum in Madrid ausgestellt. Das Cabildo von Teneriffa bemüht sich bislang vergeblich um die Rückkehr der Mumie. foto: EFE

Die Mumie wurde im 18. Jahrhundert im Barranco de Erques im Süden Teneriffas gefunden

Kanarische Inseln – Die bis zum heutigen Tage am besten erhaltene Mumie der kanarischen Ureinwohner, die seit 2015 im Museo Arqueológico Nacional (MAN) in Madrid ausgestellt wird, hat eines ihrer letzten Geheimnisse, ihr Alter, enthüllt. Eine kürzlich durchgeführte Datierung mit der Radiokarbonmethode ergab ein Alter von 850 Jahren.

Die Mumie wurde 1763 in einer Höhle im Barranco de Herques im Süden Teneriffas (Fasnia, Güímar) gefunden und an den Hof von König Carlos III. gebracht. Seitdem wurde die Mumie in verschiedenen Museen in Madrid ausgestellt und reiste 1878 sogar zur Weltausstellung nach Paris.

Trotz der großen Aufmerksamkeit, die ihr wegen ihres einzigartigen Erhaltungszustandes zuteil wurde, hat man nie zuvor eine eindeutige Datierung durchgeführt. Nun ergab eine Analyse zweier Gewebeproben aus der Schulter der Mumie, dass der Mann aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen den Jahren 1154 und 1260 gestorben ist.

Mit 850 plus/minus 30 Jahren hat die berühmte Mumie ein ähnliches Alter wie andere Guanchenmumien, für die eine Datierung vorliegt: Eine Mumie aus dem Barranco Guayonje ist ebenfalls 850, eine aus La Orotava 940 und die „NEC2“ aus dem Archäologischen Museum von Teneriffa 830 Jahre alt. Sie alle sind damit etwa halb so alt, wie die älteste je auf Teneriffa gefundene Guanchenmumie, die aus dem Barranco del Infierno in Adeje stammt. Sie hat nach den Ergebnissen der Radiokarbonanalyse ein Alter von 1.665 Jahren und ist demzufolge am Ende des 3. Jahrhunderts einbalsamiert worden.

Der mumifizierte Mann nahm allem Anschein nach innerhalb der Guanchen-Gesellschaft eine herausragende Stellung ein. Foto: EFE

Die Mumie im MAN in Madrid war zu Lebzeiten ein Mann von 35 bis 40 Jahren, 1,62 Meter groß, mit sehr gut erhaltenen Zähnen ohne Abnutzungserscheinungen oder Karies. Er hatte negroide Gesichtszüge und Hände, die nicht von schwerer körperlicher Arbeit zeugen.

Aufgrund der Zähne, die auf eine gute Ernährung schließen lassen, der Hände und vor allem der hochwertigen Konservierungsmethode geht man davon aus, dass es sich um einen Mann handelte, der in seiner Gesellschaft eine herausragende Stellung einnahm.

Eine Computertomographie, die an der Mumie durchgeführt wurde, ergab, dass die Eingeweide ebenso wie das Gehirn des Leichnams für die Einbalsamierung nicht entfernt wurden, wie es nach historischen Berichten über den Mumifizie- rungsprozess auf den Kanaren zu erwarten gewesen wäre. Dies könnte bedeuten, dass die Berichte durch das Wissen über ägyptische Mumien beeinflusst waren oder dass die Guanchen unterschiedliche Techniken für die Mumifizierung ihrer Toten anwendeten.





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