„Guachinches“ – ein gastronomisches Phänomen


Guachinches kennzeichnen sich durch rustikales Ambiente, gute kanarische Hausmannskost und Hauswein. Foto: Moisés Pérez

Teneriffa – Am Wochenende herrscht wider Erwarten in manchen Orten der Insel ein erstaunlich hohes Verkehrsaufkommen. Gegen 14.00 Uhr erreicht dieses meist den Höhepunkt. Warum sind so viele Menschen mit dem Auto unterwegs? Die Erklärung lautet Guachinche. Diese äußerst beliebten Lokale, in denen einfache aber leckere kanarische Gerichte zu Inselwein aus eigener Erzeugung serviert werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Essen ist gut, die Preise moderat bis günstig. So zieht es an den Wochenenden nach dem Motto „Heute bleibt die Küche kalt…“ viele Insulaner und mittlerweile auch kundige Residenten in die über die Insel verteilten Guachinches.

In einem richtigen Guachinche kommt das Besteck in einem Korb auf den Tisch, aus dem sich die Gäste bedienen. Der Tisch ist mit einem einfachen Papier- oder Plastiktuch bedeckt, die Gäste sitzen auf Klappstühlen aus Holz. Es kann sein, dass die improvisierte Gastwirtschaft in einer Garage oder einem Hinterhof eingerichtet wurde. Der Service ist nett aber einfach. Es gibt Hauswein und Wasser und nur wenige Gerichte zur Auswahl. Weitere Voraussetzung für echte Guachinches ist, dass die Gastwirtschaft im Haus des Winzers untergebracht ist, und das Lokal höchstens vier Monate im Jahr –bis der Wein verkauft wurde – öffnet.

Guachinches gibt es schon seit Jahrzehnten. Die ersten entstanden in den 50er Jahren im Norden Teneriffas, als Winzer begannen, überschüssigen Wein auszuschenken. In ihrer Garage oder im Hinterhof des Hauses boten sie zum Viertel Wein meist ein Gericht an, das die Hausfrau gekocht hatte. Traditionell kanarische Gerichte wie „Conejo en salmorejo“ (Kaninchen), „Carne de cabra“ (Ziegenfleisch), „Carne fiesta“ (Schweinefleisch), „Tollos“ (Hundshai) oder „Escaldón“ (angemachter Gofio) haben sich bis heute auf vielen Karten gehalten.    

Aber Vorsicht! Nicht jedes Lokal, das in seinem Namen das Wort Guachinche trägt, ist auch ein authentisches Guachinche, denn durch die Beliebtheit dieser Gastwirtschaften schwimmen mittlerweile viele Restaurants auf dieser Welle mit. Dies veranlasste die Inselverwaltung im Jahr 2013 zum Erlass einer Verordnung, in der genau geregelt ist, welche Voraussetzungen ein Lokal erfüllen muss, um sich als Guachinche ausweisen zu dürfen. Seither wurden auf Teneriffa mehr als 150 Guachinches ordnungsgemäß gemeldet und in ein Register eingetragen. Die meisten davon sind im Norden der Insel, in den Gemeinden La Victoria, Santa Úrsula und La Orotava zu finden.

Über die Website www.webtenerife.de findet man unter „Aktivitäten“ – „Essen und Trinken“ eine Auswahl von Guachinches mit Adresse und Telefonnummer. Auf der Website www.gastrocanarias.com kann auf einer Inselkarte nach Guachinches in den einzelnen Gemeinden gesucht werden.

Um die Authentizität der Guachinches auch in Zukunft zu bewahren, hat das Cabildo über das Ressort für Landwirtschaft bereits im vergangenen Jahr Maßnahmen angekündigt. Ressortleiter Jesús Morales traf sich mit Vertretern der Guachinches und erläuterte den Plan, zu dem die Schaffung einer Marke gehört, um die Guachinches von anderen Lokalen zu differenzieren. Qualitätsgeprüfte Guachinches würden dann einen Aufkleber erhalten, mit dem sie sich als solche ausweisen. Denkbar ist auch die Schaffung einer App, über die per Smartphone Informationen wie Öffnungszeiträume, angebotene Weinsorten etc. abgerufen werden können.

Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: