Große Liebe, ein Samariter und ein Happy End


Glück und Verzweiflung beim Wiedersehen von María und Juan. Foto: David Rodríguez

Teneriffa – Am 31. Oktober verbreitete sich ein Eintrag des Krankenpflegers David Rodríguez auf Facebook wie ein Lauffeuer durch das Netz: „Hallo! Ich bin Mitarbeiter der Notfallstation im Nordkrankenhaus in Icod de los Vinos mit 18 Jahren Berufserfahrung auf dem Buckel, während derer ich schwere, traurige und unangenehme Situationen erlebt habe. Ich arbeite nicht gerade in einem Dienst, der besonders fröhlich ist. Doch ich will Euch von einer Realität, einem Erlebnis berichten, das mein Herz berührt hat und mich unser regionales Gesundheitssystem  infrage stellen lässt.

Dieser Tage kam „Juan“ zu uns, ein Herr von 82 Jahren, der allein lebt, mit pflegedienstlicher Unterstützung an zwei Tagen pro Woche. Er ist stark bewegungseingeschränkt und kann sich kaum selbst versorgen. Er kam wegen eines gesundheitlichen Problems, jedoch war nicht dies seine Hauptsorge, sondern dass er seine Frau anrufen wollte, die sich im Pflegeheim des IASS in Icod (im selben Gebäudekomplex wie die Notaufnahme) befindet. Er bat mich inständig, die Nummer seiner Frau zu wählen. Er hat die Gewohnheit, sie zweimal täglich anzurufen und wollte diesen Termin nicht verpassen, und ich tat es. Seit langer Zeit habe ich kein Gespräch gehört, dass so viel Liebe verströmte. Vielleicht brachte mich das dazu, um Erlaubnis für einen Besuch Juans bei María zu bitten. Ich brachte ihn im Rollstuhl hin­auf, den Gang entlang, zum Aufzug, zwei Stockwerke hoch, nach rechts, nochmal rechts, und da war María, die Juan unter Tränen und Schluchzen umarmte, küsste, streichelte und ihn wieder küsste. Ich bin nicht fähig, die Liebe, welche den gesamten Raum erfüllte, zu beschreiben, die gegenseitige Zärtlichkeit und die Sorge umeinander. Am besten bezeugen es die Bilder, die ich beifüge.“

Auch Juan muss in ein Heim, doch ist er nicht „krank“ genug, um im selben Pflegeheim wie María untergebracht zu werden. So bat David über Facebook um Hilfe für die beiden. Sofort wurde eine Unterschriftenaktion gestartet. Doch noch ehe diese richtig in Gang kam, signalisierte das kanarische Gesundheitsressort, man sei dabei, das Problem zu lösen. Nach Auskunft der behandelnden Ärzte gehe es María besser, sie könne in ein Heim mit geringerer Pflegeintensität. Man suche gerade einen Platz, wo beide zusammen sein könnten.




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