Größere Vielfalt im Tourismus erwünscht


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Der moderne Tourist sucht „authentische“ Erlebnisse

In den Siebzigerjahren begann auf den Kanaren der Boom des Tourismus, der die vielerorts schweren Folgen der Wirtschaftskrise zumindest in den Urlaubsorten etwas mildern konnte. Hätten die Inseln nicht weiterhin hoch in der Gunst der ausländischen Urlauber gestanden, hätte sich das soziale Drama noch um Einiges verschlimmert.

Eine Studie des Kanarischen Statistikinstituts (Istac) brachte nun zutage, dass jedoch nicht die Kanaren als Ganzes vom Urlaubergeschäft profitieren, sondern nur einige Gemeinden und lediglich 1,7% der Fläche. Der Bericht kommt auf 47 Urlaubszentren in 16 Gemeinden – die Gesamtzahl der kanarischen Gemeinden beläuft sich auf 88 –, in denen sich etwa 92% der Betten befinden. 

Differenziert werden 17 Urlaubszentren auf Teneriffa, 14 auf Gran Canaria, 9 auf Lanzarote und 7 auf Fuerteventura. An erster Stelle des Rankings nach Einnahmen befindet sich Playa del Inglés (Gran Canaria) mit 304,07 Millionen Euro im vergangenen Jahr, gefolgt von Meloneras (Gran Canaria, 220,17 Millionen Euro), Las Américas (Teneriffa, 214,90 Millionen Euro) und Playa del Duque (211,58 Millionen Euro). Hinsichtlich der Belegung stechen Playa Paraíso (Teneriffa, 88,65%) und Playa Blanca (Lanzarote, 88%) hervor. 

Werden die Urlauber unter die Lupe genommen, lässt sich feststellen, dass die ausländischen Gäste länger bleiben als die spanischen, die deutschen am längsten. Grundsätzlich werden Aufenthalte von mehr als zehn Tagen gebucht. 

Die Herausforderungen der Zukunft

Laut dem „Plan zur Vermarktung des Tourismus auf den Kanaren“ muss sich die Region bereits seit einigen Jahren damit auseinandersetzen, wie die Position als beliebtes Urlaubsgebiet nicht nur gehalten sondern ausgebaut werden kann. Eine schwierige Aufgabe, schließlich müssen sich die Inseln gegen starke Wettbewerber durchsetzen. Viele neue Ziele bieten oft erheblich günstigere Preise und unterbieten die traditionellen Urlaubsdestinationen wie die Kanaren. 

Umso mehr haben sich die Verantwortlichen vorgenommen, die Verbindungen zu den Kanaren auszubauen, das Image zu verbessern, sich mit dem Angebot einzigartiger Urlaubserlebnisse von anderen Zielen abzuheben und sich der wandelnden Nachfrage anzupassen. Alles aus der Überzeugung heraus, dass es von hoher Bedeutung ist, den traditionellen Touristen auch weiterhin zu umwerben. 

Die Urlauber-Rekorde der vergangenen Zeit waren teilweise auf die Konflikte in den Konkurrenzmärkten zurückzuführen, aber auch auf die Verbesserung des Angebotes und der Vermarktung. Die Experten vertreten die Meinung, dass neben den genannten „Aufgaben“ die Kanaren in einem bestimmten Bereich unbedingt aufholen müssen, nämlich bei der Innovation.

 

Nachholbedarf

Tomás Azcárate, Präsident des Instituts für Verantwortungsvollen Tourismus (ITR), wies kürzlich auf die dringende Notwendigkeit hin, das Tourismus-Modell zu ändern und der Zukunft anzupassen. Sollten die Kanaren nicht ihre Hausaufgaben in Sachen Nachhaltigkeit machen, könnten sie im Laufe der Zeit nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten, so Azcárate. 

Die Nachhaltigkeit im Tourismus teile sich auf in wirtschaftliche, umweltschützende, soziale und kulturelle Aspekte, die auf den Kanarischen Inseln allesamt Nachholbedarf hätten. Insbesondere im wirtschaftlichen Bereich müssten spezifische Maßnahmen für eine ausgeglichene Entwicklung sorgen, die nicht allein auf der Hotel-Unterbringung beruhe. Apartmenthäuser, Ferienvermietungen oder Landhotels müssten unbedingt gefördert werden. Dann würde viel mehr der moderne Tourist angesprochen, der „authentische“ Erlebnisse suche und das Urlaubsziel von einer anderen Seite kennenlernen wolle. Heutzutage würden sich 90% der Urlauber über „Sonne und Strand“ hinaus für andere Aspekte des Urlaubsortes interessieren. Auch in Sachen Freizeitangebot mangele es an der nötigen Vielfalt.




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