Grausamer Doppelmord in der Höhle


Der mutmaßliche Doppelmörder Thomas Handrick befindet sich mittlerweile im Gefängnis Tenerife II. Foto: EFE

Frau und Sohn eines Residenten in Adeje wurden leblos in einer Höhle gefunden, der jüngste Sohn konnte sich retten und die brutale Tat aufdecken

Teneriffa – Der grausame Doppelmord an der Deutschen Silvia H. und ihrem Sohn Jakob (10), die in einer Höhle in der Gegend von Hoyo del Agua, oberhalb des Ortskerns von Adeje tot aufgefunden wurden, hat tiefe Erschütterung ausgelöst. Wie die Obduktion ergab, wurden die beiden Opfer durch heftige Schläge mit größeren Steinen und den bloßen Händen getötet. Der mutmaßliche Täter ist der von seiner Familie getrennt lebende Ehemann und Vater Thomas H.

Am Dienstag entdeckte eine Anwohnerin von La Quinta de Ifonche in den Bergen von Adeje den kleinen Jonas (7) auf der Straße – allein und offensichtlich verwirrt. Später sollte sich herausstellen, dass er mehrere Stunden durch nebliges, unwegsames Gelände zu Fuß auf der Flucht gewesen war. Als der Frau klar wurde, dass der Kleine kein Spanisch verstand, holte sie eine deutschsprechende Nachbarin zu Hilfe, die sofort die Polizei verständigte.

Der Junge erzählte, dass sein Vater in einer Höhle auf seine Mutter eingeschlagen habe. Er habe seine Mutter bewusstlos am Boden liegen sehen, dann sei er weggerannt. Glücklicherweise wählte er nicht den Weg, auf dem sie gekommen waren, denn hätte sein Vater ihn gefunden, so wäre es ungewiss, ob er überlebt hätte und die Toten  in der Höhle jemals gefunden worden wären.

Die Suche nach den Mordopfern wurde durch Nebel erschwert. Foto: EFE

Thomas H. wurde noch am gleichen Abend in dem von ihm seit zwei Jahren bewohnten Haus in Adeje schlafend angetroffen und verhaftet. Er wies leichte Verletzungen im Gesicht und an den Fingerknöcheln auf und zeigte sich nicht kooperativ.  In einem Großeinsatz suchten daraufhin über Hundert Mann der Feuerwehr, Polizei und Guardia Civil sowie freiwillige Helfer, unterstützt von Hunden, die Gegend weiträumig ab. Trotz der vagen Ortsangaben, des schwierigen Geländes und der Beeinträch­-tigung durch Nebel fanden sie die Leichen am Vormittag des zweiten Tages in einer Höhle, die sich zwischen den Barrancos del Infierno und del Burro befindet.

Die Polizei geht von einem geplanten Mord aus. Silvia H. war am Tag vor ihrem gewaltsamen Tod mit den Kindern aus Deutschland angereist, damit diese trotz Trennung Zeit mit dem Vater verbringen konnten. Für Dienstag hatte Thomas H. einen Ausflug mit Picknick geplant und die Familie in eine der Höhlen, die in dieser Gegend zahlreich vorhanden sind, gelockt, um Ostereier zu suchen.

Der kleine Jonas, der das Familiendrama überlebte, wurde zunächst durch ein kanarisches Gericht in die Obhut der Inselregierung übergeben, bis er am 1. Mai nach Deutschland zurückreisen konnte, zu seiner Tante und den Großeltern mütterlicherseits, die in Halle leben.

Zuvor wurde die Aussage des Kindes durch den Ermittlungsrichter aufgenommen. Ein Psychologenteam stellte dabei die Fragen, welche der Richter von einem anderen Raum aus schriftlich formulierte. Dies erspart dem Jungen, später noch einmal anreisen und als Zeuge aussagen zu müssen.

Jonas gab zu Protokoll, sein Vater habe ihn, seinen Bruder Jakob und seine Mutter auf einen Ausflug zu einer Höhle mitgenommen, weil sie Ostereier suchen sollten, die in der Höhle versteckt seien. Dort sah er, wie sein Vater begann, seine Mutter zu schlagen. Die Jungen hätten Steine auf ihren Vater geworfen, um die Mutter zu verteidigen. Danach sei er fortgerannt und in Angst und Verzweiflung kilometerweit gelaufen, bis er auf eine Frau getroffen sei, die ihm half und die Polizei rief.

Das Gericht ordnete für den mutmaßlichen Täter Thomas Handrick Untersuchungshaft an. Er wird des Mordes oder ggf. Totschlags in zwei Fällen sowie des versuchten Mordes beschuldigt und befindet sich zurzeit im Gefängnis Tenerife II in La Esperanza. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, eine unbefristete Gefängnisstrafe fordern zu wollen.

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