Grantecan weiter in Probebetrieb


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Volle Funktionsfähigkeit des GTC verzögert sich um ein weiteres halbes Jahr

Am 13. Juli vor zwei Jahren wurde Astronomiegeschichte geschrieben. Am Abend dieses Tages erlebte das Riesenteles­kop Grantecan (GTC) auf der Sternwarte Roque de los Mu-cha­chos das „erste Licht“.

„Wäre die Erde eine Scheibe, könnten wir von La Palma aus eine brennende Kerze in Moskau sehen oder gar jeden einzelnen der Scheinwerfer eines Autos in Australien“, schwärmte damals IAC-Direktor Francisco Sánchez über die Präzision des neuen astronomischen Welthits.

Zur feierlichen Zeremonie des „ersten Lichts“ reiste der spanische Kronprinz Felipe nach La Palma, der acht Jahre zuvor auch den Grundstein des knapp 130 Millionen Euro teuren Projektes gelegt hatte.

Die Einweihung des Grantecan, das größte Teleskop der Nordhemisphäre, war eine Weltsensation und stellte einen riesigen Fortschritt für die Wissenschaft dar. Damals wurde angekündigt, dass das Teleskop vorerst nur im Probebetrieb funktionieren und im Sommer 2008, nach Abschluss der Kontroll- und Justierungsphase, vollkommen funktionsfähig sein werde.

Nun wurde vom Unternehmen Grantecan mitgeteilt, dass sich die Astronomen noch etwas gedulden müssen, denn die Inbetriebnahme wird sich schätzungsweise um ein halbes Jahr verzögern. Grund ist die äußerst komplizierte und heikle Einstellung und Justierung des hochsensiblen Instruments, die nun doch länger als geplant dauert.

Wie Pedro Álvarez, Unternehmensleiter des Grantecan, mitteilte, wird das Großteleskop den Wissenschaftlern vermutlich im März 2009 endgültig zur Verfügung stehen. Er lobte das bisherige Ergebnis der Testphase und berichtete, dass das Teleskop sogar bessere Ergebnisse geliefert hat als erwartet.

Seit etwa zwei Monaten sei das Grantecan nonstop in Betrieb, tagsüber von einem Ingenieurteam überwacht, nachts von Astronomen betrieben, die Software testen und anpassen, etc. „Wir justieren eine sehr komplizierte Maschine, die am Ende absolut präzise arbeiten muss, was heißt, dass zuvor auch das kleinste Detail angepasst werden muss.“

Das Herzstück des Riesenteleskops, der Spiegel des Grantecan, besteht aus 36 hexagonalen Segmenten, die zusammen einen Spiegel mit 10,4 Metern Durchmesser ergeben und somit größer als die beiden Teleskope auf Hawaii ist. Wenn das Grantecan in 2009 mit der Erforschung des Universums beginnt, wird es das Teleskop mit der weltgrößten Spiegelfläche – 75,7 qm – sein.

Mit dem neuen Superinstrument wollen die Astronomen in bislang ungeahnte Tiefen des Universums vordringen und selbst die schwächsten Objekte erkennen können.




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