Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern wird oft verschwiegen


277 Eltern erstatteten Anzeige wegen häuslicher Gewalt

„Die Gewalttätigkeit junger Menschen gegenüber ihren Eltern ist in unserer heutigen Gesellschaft ein verborgenes Phänomen, das von den Eltern oft verschwiegen wird, um strafrechtliche Folgen für ihre Kinder zu verhindern.

Auch die Scham davor, die häusliche Situation zu offenbaren, hält viele Eltern davor zurück, eine Anzeige zu erstatten.“ Francisco Hernández Spínola, Leiter des Ressorts Präsidentschaft, Justiz und Gleichheit der Kanarischen Regierung, erläuterte vor dem Regionalparlament den Bericht der Staatsanwaltschaft: 2013 erstatteten 277 Eltern Anzeigen gegen ihre Kinder. Diese Zahl ist in den letzten Jahren weiter angestiegen.

Aggressivität und Tätlichkeiten von Kindern gegenüber ihren Eltern sind seit Jahrzehnten ein verschwiegenes Problem.

Mädchen und Jungen üben häusliche Gewalt im gleichen Ausmaß aus, allerdings sind Jungen gewalttätiger, Mädchen üben meist psychologischen Druck auf ihre Eltern aus.

Über 400.000 Familien in Spanien sind in irgendeiner Weise von dieser Art der häuslichen Gewalt betroffen, schätzungsweise 7 bis 10% aller spanischen Haushalte.

Der Großteil der Aggressionen findet in Familien mittlerer und gehobener Schichten statt,  bei sechs von zehn Familien hat mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss. Die Attacken richten sich meistens gegen Mütter und Großmütter, insbesondere sind Familien von Alleinerziehenden betroffen. Hernández Spínola unterstrich, dass diese Art von familiärer Gewalt in den Armenvierteln erstaunlich selten vorkommt.

Ursachen dieses Phänomens sind das Fehlen von klaren Normen, die Nachgiebigkeit der Eltern, Drogenkonsum und Schulversagen. All das könne zu dem sogenannten gestörten Eltern-Kind-Verhältnis und dazu führen, dass die Jugendlichen ihre Eltern unterdrücken. Oft komme es auch zu körperlicher oder psychischer Misshandlung.

Auch der technologische Fortschritt habe die familiären Verhältnisse verändert, die Konsumgesellschaft, Smart­phones und die permanente Abhängigkeit von den sozialen Netzwerken tragen zu Konflikten zwischen Kindern und Eltern bei.

Eine Lösung für dieses Problem ist nur zu finden, wenn die Risikofaktoren begrenzt oder aufgehoben werden. „Das Thema Gewalt von Kindern gegenüber Eltern darf nicht weiter ein Tabu in unserer Gesellschaft bleiben“, forderte Spínola. Es handele sich um ein soziales Problem, zu dessen Lösung sowohl die Institutionen und Experten als auch die Gesellschaft beitragen müssen.




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