Gelder des EU-Aufbauplans sollen in Schienenprojekte fließen

V.l.n.r.: Enrique Arriaga, Transportbeauftragter des Cabildos von Teneriffa; Sebastián Franquis, kanarischer Transportminister; Miguel Ángel Pérez, Transportbeauftragter des Cabildos von Gran Canaria Foto: Gobierno de Canarias

V.l.n.r.: Enrique Arriaga, Transportbeauftragter des Cabildos von Teneriffa; Sebastián Franquis, kanarischer Transportminister; Miguel Ángel Pérez, Transportbeauftragter des Cabildos von Gran Canaria Foto: Gobierno de Canarias

Die Kanarenregierung will 3,85 Milliarden Euro der Corona-Hilfsgelder beantragen, um die geplanten Zugverbindungen zu den Flughäfen Teneriffas und Gran Canarias zu realisieren

Kanarische Inseln – Noch vor wenigen Wochen hieß es vonseiten der Inselverwaltung Teneriffas, man habe das Projekt für die Verlängerung der Straßenbahn von La Laguna bis zum Nordflughafen auf Eis gelegt. Doch nun machte die Kanarenregierung überraschend einen Vorstoß und erklärte die Absicht, die Zugprojekte für Gran Canaria und Teneriffa nun doch umsetzen zu wollen. Finanziert werden sollen beide Projekte nach dem Willen der kanarischen Politiker aus dem 750-Milliarden-Euro-Topf der EU.
Die Kanarenregierung hat sich mit den Inselverwaltungen von Teneriffa und Gran Canaria darauf geeinigt, den Schienenprojekten beider Inseln als Motor zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Förderung des ökologischen Wandels einen neuen Impuls zu geben. Mit diesem Ziel wird die Regionalregierung beim spanischen Staat beantragen, beide Projekte mit einem Investitionsvolumen von 3,85 Milliarden Euro in den Reform- und Investitionsplan aufzunehmen. Dieser wiederum wird dem Wiederaufbaufonds vorgelegt, den die EU für die Behebung der durch die COVID-19-Pandemie verursachten wirt- schaftlichen und sozialen Schäden geschaffen und mit 750 Milliarden Euro ausgestattet hat. Sie sollen in den Jahren 2021 bis 2027 investiert werden.
Sebastián Franquis, Regionalminister für Bauwesen, Verkehr und Wohnungsbau, traf sich mit den Transportbeauftragten der Cabildos von Teneriffa, Enrique Arriaga, und Gran Canaria, Miguel Ángel Pérez, um eine gemeinsame Strategie festzulegen mit dem Ziel, die beiden Projekte zu entwickeln und ihre Finanzierung zu erreichen. Beide Bahnstrecken sollen dazu dienen, den sich häufig stauenden Verkehr auf den Hauptzufahrtsstraßen zu den beiden kanarischen Hauptstädten Santa Cruz und Las Palmas sowie zu den Tourismusgebieten zu entlasten. Die neuen Züge würden den Planungen zufolge zusammen 115.000 Passagiere täglich befördern.
Franquis und die beiden Cabildo-Vertreter sind sich darüber einig, das die Planung beider Schienenprojekte schon weit fortgeschritten ist und nun der Moment gekommen sei, den nächsten Schritt zu tun: Die Finanzierung zu beantragen und die Bauarbeiten auszuschreiben. Wie Franquis erläuterte, sieht der EU-Aufbauplan neben der Milderung der Krisenfolgen auch die Förderung der Digitalisierung und des ökologischen Wandels vor. In letztere Kategorie fallen die kanarischen Pläne zum Ausbau des Schienenverkehrs.
Auf Gran Canaria ist eine Schienenstrecke von 50 Kilometern mit zehn Haltestellen geplant. Der Zug soll die Strecke von Las Palmas nach Maspalomas in dreißig Minuten zurücklegen und im ersten Jahr 48.100 Personen täglich befördern. Für das Projekt sind Kosten von 1,65 Milliarden Euro veranschlagt.
Auf Teneriffa soll die Straßenbahnlinie 1 bis zum Nordflughafen ausgebaut werden, und außerdem eine Zugstrecke in den Süden der Insel führen. Letztere soll achtzig Kilometer lang werden und sieben Haltestellen haben. Die Fahrt von Santa Cruz nach Adeje würde mit diesem Transportmittel 45 Minuten dauern. Die Züge sollen im 10-Minutentakt fahren und täglich im Durchschnitt 67.000 Personen befördern. Das Investitionsvolumen beträgt 2,2 Milliarden Euro.
Spanien wird aus dem EU-Aufbauplan 140 Milliarden Euro erhalten, 72 Milliarden davon sind Zuschüsse, der Rest Kredite. Die Kanarenregierung und die Cabildos von Teneriffa und Gran Canaria haben eine Kommission gebildet, die im September wieder zusammentreten wird, um die Präsentation der beiden Projekte abzuschließen und sie in Madrid einzureichen.

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