„Geister-Tankstellen“ unerwünscht


An den meisten Tankstellen auf den Kanaren wird man noch bedient. Die Regionalregierung will nun per Dekret dafür sorgen, dass dies auch weiterhin so bleibt. Foto: wb

Das kanarische Industrieressort wird Tankstellen ohne Personal nicht zulassen

Kanarische Inseln – Eine für viele ausländische Urlauber mittlerweile ungewohnte Annehmlichkeit an den Tankstellen auf den Kanaren ist der Tankwart-Service. Nun gefährdet der Trend zur Automatisierung von Tankstellen nicht nur deren Job, sondern auch die aller anderen Tankstellen-Angestellten.

Die spanischen Wettbewerbshüter CNMC (Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia) fordern in einer Stellungnahme, sämtliche Verordnungen aufzuheben, die die Einrichtung sogenannter „Geister-Tankstellen“ ohne Personal verhindern. Die Wettbewerbsbehörde argumentiert, dass durch diese Tankstellen der Wettbewerb gefördert würde, was eine Senkung der Kraftstoffpreise zur Folge habe.

Auf den Kanaren ist diese Positionierung der CNMC nicht gut angekommen. „Wir werden nicht zulassen, dass hier Tankstellen ohne Personal aufmachen“, sagte der Generaldirektor des Industrie- und Energieressorts der Regionalregierung, Erasmo García de León. Der umstrittene Aufruf der Wettbewerbshüter zur Zulassung von „Geister-Tankstellen“ kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Kanarenregierung an einem Beschluss feilt, der genau das Gegenteil zum Ziel hat, nämlich mindestens einen Angestellten pro Tankstelle zu garantieren.

Erasmo García de León versicherte, dass die Regionalregierung nicht gegen die Einrichtung von Billigtankstellen sei, sondern vielmehr die Verbraucher schützen wolle, zum Beispiel im Fall von Problemen an der Zapfsäule. „Wir sind selbstverständlich nicht gegen eine Senkung der Kraftstoffpreise und wir richten uns auch gegen keine Branchensparte, doch wir sind davon überzeugt, dass mindestens ein Angestellter notwendig ist, um die Rechte der Verbraucher zu gewährleisten“, argumentierte er.

Die Kanarischen Inseln sind nicht die erste spanische Region, die sich gegen die Tankstellen ohne Personal sträubt. Vorbilder sind u.a. Navarra, Castilla-La Mancha und Aragón, die bereits entsprechende Verordnungen erlassen haben und damit sicherstellen, dass auch an Lowcost-Tankstellen mindestens ein Mitarbeiter die Kunden bedient.

Die Wettbewerbsbehörde bezeichnet in ihrer Stellungnahme Verordnungen wie die von der Kanarenregierung angestrebte als „freiheitsberaubend“ für Unternehmen und Kunden, wodurch dem Allgemeinwohl geschadet werde.

Der Verbraucherverband Facua-Consumidores en Acción hingegen bezeichnete die Haltung der CNMC als „empörend“. Unter dem Vorwand, den Wettbewerb fördern zu wollen, beschneide diese Maßnahme vielmehr den Verbraucherschutz, verringere die Sicherheit an den Tankstellen und sorge für den Verlust von Arbeitsplätzen, so Facua. Auch im Hinblick auf die Rechte behinderter Menschen seien „Geister-Tankstellen“ keine Alternative.




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