Flüchtlingsboote erreichen erstmals La Palma und La Gomera


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Regierungsdelegierter Segura bestreitet trotzdem, dass die Immigrantenmafia ihre Taktik ändert und Mutterschiffe die Boote bis vor die Inseln bringen

Kaum ein Tag vergeht ohne eine Meldung über die Ankunft neuer Flüchtlinge aus Afrika auf den Kanarischen Inseln. Vorbei sind die Zeiten, in denen fast nur die Inseln Fuerteventura und Lanzarote die Ankunft von Immigrantenbooten meldeten. Mittlerweile landen die Flüchtlinge auch auf Teneriffa, Gran Canaria, ja sogar auf La Palma und La Gomera an.

Während der Staatssekretär für Zuwanderungsfragen mitteilte, dass die Zahl der illegalen Immigranten auf den Kanaren im letzten Jahr einen Rückgang erfahren hat, wurde bei den Kapverden ein Schiff mit Kurs auf den kanarischen Archipel aufgebracht, das 237 Flüchtlinge an Bord hatte.

Es macht sich eine Taktikänderung der Immigrantenmafia bemerkbar, die offenbar der Meinung ist, dass die westlichen Kanareninseln nicht so stark überwacht werden wie Fuerteventura und Lanzarote. Also werden die kleinen Immigrantenboote von Mutterschiffen bis vor die Inselküsten geschleppt. In sicherer Entfernung werden die Flüchtlinge dann ihrem Schicksal überlassen. Zwar bestritt der Regierungsdelegierte auf den Kanarischen Inseln, José Segura, diese Möglichkeit noch bis vor kurzem vehement, doch die Ankunft eines Flüchtlingsbootes auf La Palma am 27. Dezember und einer weiteren Schaluppe auf La Gomera am 29. Dezember schienen das Gegenteil zu beweisen. Wie sonst sollten die klapprigen Boote bis zu den westlichen Inseln gelangen, ohne von dem Radar der Küstenwache erfasst zu werden.

Die Flüchtlinge, die an Bord eines kleinen Bootes Ende des Jahres die Küste von La Palma erreichten, berichteten den Behörden, dass sie von El Aaiún in See gestochen seien und für die Überfahrt fünf Tage gebraucht hätten. Cabildo-Präsident José Luis Perestelo räumte allerdings seine Zweifel an dieser Version ein, und mutmaßte, dass die Flüchtlinge  wohl von einem Mutterschiff bis vor die Inselküste gebracht worden waren.

Auch die 32 Flüchtlinge, die zwei Tage später auf La Gomera an Land gingen, behaupteten, alleine mit der Kraft ihres Außenbordmotors von der afrikanischen Westküste bis nach La Gomera gekommen zu sein.

Der vom Justizministerium für die Verhandlungen mit Marokko bestimmte Richter Ángel Llorente widersprach den Äußerungen von José Segura und versicherte, dass es sehr wohl Mutterschiffe gibt, „denn es ist praktisch unmöglich, dass ein Flüchtlingsboot bis nach La Palma oder El Hierro gelangt“, so Llorente. Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Marokko erinnerte Ángel Llorente daran, dass jedes vierte Flüchtlingsboot bereits in Marokko gestoppt wird.  

104 Flüchtlinge kamen an Bord von drei Booten nach Fuerteventura

Am 9. Januar kamen an Bord von drei verschiedenen Booten insgesamt 104 Flüchtlinge aus westafrikanischen Ländern auf Fuerteventura an. Sie waren auf dem Radarschirm der Küstenwache erschienen und wurden von Polizeibooten bis zur Küste begleitet.

Insgesamt kamen in den letzten Tagen des alten und in den ersten Tagen des neuen Jahres knapp 300 Flüchtlinge auf den Kanaren an.

Im gesamten Jahr 2005 kamen auf den Kanaren laut einem Bericht des Staatssekretariats für Zuwanderung 7.470 illegale Immigranten an.




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