Flammeninferno auf Gran Canaria


Foto: EFE

Mehr als 12.000 Hektar sind von dem Feuer betroffen – Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen

Gran Canaria – Das Herz von Gran Canaria steht in Flammen. Zwei Tage nachdem das Feuer, das am 10. August in Artenara durch eine Unachtsamkeit ausgelöst worden war, unter Kontrolle gebracht wurde, brach bei Tejeda erneut ein Waldbrand aus. Dieser hat sich in den letzten Tagen zu dem bislang schlimmsten Waldbrand in Spanien in diesem Jahr entwickelt. Dies versicherte der spanische Landwirtschafsminister Luis Planas, der aus diesem Anlass auf die Insel reiste, in einer Pressekonferenz in der Nacht zum 20. August.

Fast 10.000 Menschen aus Ortschaften der Gemeinden Artenara, Tejeda, Moya, Valleseco, Gáldar, San Bartolomé de Tirajana, La Aldea, Mogán und Agaete mussten seit dem Ausbruch des Feuers ihre Häuser verlassen und wurden in Sicherheit gebracht, bevor Straßensperren die Zufahrten zu dem betroffenen Gebiet abriegelten. Wahre Feuerstürme wüteten tagelang so heftig, dass Löscharbeiten in einigen Gebieten aus Sicherheitsgründen nicht fortgesetzt werden konnten. Selbst die Brandbekämpfung mit Löschhubschraubern und -flugzeugen aus der Luft musste gebietsweise eingestellt werden, weil die Flammen bis zu 50 Meter hoch schlugen.

Federico Grillo, Leiter der Feuerbekämpfungseinheit der Insel, erklärte, dass einige Zonen so von den Flammen eingeschlossen seien, dass ein Vorrücken der Löschtrupps lebensgefährdend wäre. Erschwerend hinzu kamen die Wetterbedingungen; eine Hitzewelle mit Höchstwerten um die 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit unter 30% sowie teils starker Wind, fachte die Flammen zu Wochenanfang weiter an.

Der Waldbrand hat einen Umfang von 78 Kilometern erreicht. 12.000 Hektar sind betroffen, davon 2.000 innerhalb des Naturparks Tamadaba und weitere 2.000 an der Front Richtung Inagua, so die erschütternde vorläufige Bilanz dieser Katastrophe bei Redaktionsschluss.

Eine nicht zu bremsende Feuerwalze steuerte auf den Naturpark Tamadaba zu, der angesichts der eingeschränkten Zufahrtsmöglichkeiten für hoffnungslos verloren erklärt wurde. Tamadaba erstreckt sich über 7.500 Hektar im Westen der Insel und liegt innerhalb des von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärten Gebiets; Hauptattraktion ist der üppige Kiefernwald. Trotz schlimmster Befürchtungen wurde wie durch ein Wunder nur ein Teil des Kiefernwaldes Opfer der Flammen, die sich nach gedrehter Windrichtung an der linken Flanke auf Mogán und San Bartolomé de Tirajana zubewegten.

Löscheinsätze aus der Luft mit neun Hubschraubern und vier Flugzeugen

Der kanarische Regierungspräsident Ángel Víctor Torres berichtete in einer Presskonferenz in der Nacht vom 19. August, dass mittlerweile mehr als eine Million Liter Wasser über dem brennenden Gebiet abgeworfen worden seien. Noch nie zuvor waren bei einem Waldbrand auf den Inseln derart viele Löschhubschrauber und -flugzeuge im Einsatz. Dank Verstärkung aus Madrid sind neun Löschhubschrauber und vier amphibische Löschflugzeuge im Einsatz. In der Nacht wurde außerdem eine hochmoderne Drohne mit Nachtsichtkamera eingesetzt, um die Entwicklung des Feuers zu beobachten. Am Boden wechseln sich mehr als 600 Einsatzkräfte rund um die Uhr bei der Brandbekämpfung an den verschiedenen Fronten ab.

Sicherheit der Bevölkerung an erster Stelle

Der kanarische Regierungschef erklärte, angesichts der Gefahr, dass sich der Waldbrand bei veränderten Windverhältnissen weiter in Richtung Süden ausbreitet, könnten neue Evakuierungen in den Gemeindegebieten Mogán, La Aldea de San Nicolás und San Bartolomé de Tirajana notwendig werden. Die Sicherheit der Menschen stehe weiterhin an erster Stelle, unterstrich er, und bat die Bevölkerung eindringlich darum, den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen. „Wenn eine Evakuierung angeordnet wird, dann ist das keine Laune, sondern es geschieht, weil eine ernste Gefahr besteht“, so der Regierungspräsident mit Nachdruck. In einigen Ortschaften hatten mehrere Dutzend Bewohner trotz ausdrücklichen Verbots wieder ihre Häuser aufgesucht, unter anderem auch, um sich um zurückgelassene Tiere zu kümmern.

Vonseiten der kanarischen Regierung wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die Flammen sich an der Südfront des Brandes zwar in Richtung Mogán und San Bartolomé de Tirajana ausbreiteten, dies jedoch keineswegs bedeute, dass das Feuer die touristischen Gebiete dieser Gemeinden erreichen werde. Demnach sei auch nicht zu befürchten, dass Urlauber in diesen Gebieten betroffen sein werden.

Bei Redaktionsschluss gab Ángel Víctor Torres in einer weiteren Pressekonferenz die aktuellsten Daten zu dem Waldbrand bekannt. Um die Mittagszeit am 20. August erlaubte sich der Regierungschef etwas Optimismus und erklärte, dass nach den Löscharbeiten in der vergangenen Nacht in den nächsten Stunden mit besseren Nachrichten gerechnet werden könne. Der Wind sei abgeflaut und die Gefahr, dass sich das Feuer weiter in südlicher Richtung ausbreitet, gesunken. „Der Brand ist aber noch nicht unter Kontrolle“, mahnte er.

Brandursache Fahrlässigkeit

Den ersten Waldbrand löste am 10. August ein 55-jähriger Mann aus Telde aus. Während Feuerwehrleute noch die Flammen bekämpften, nahm die Guardia Civil den Mann fest. Der mutmaßliche Verursacher des Brands hatte auf einer Finca in Artenara mit einem Winkelschleifer ein Metalltor bearbeitet. Ein Funke war es, der den Brand entfachte, den der Mann noch verzweifelt zu löschen versuchte. Im Gericht von Arucas wurde der Angeklagte bereits vernommen. Der Mann kam nach der Zahlung einer Kaution in Höhe von 25.000 Euro vorerst wieder frei.

Das Feuer, das tagelang wütete, breitete sich auf 1.224 Hektar in den Gemeinden Tejeda, Artenara und Gáldar aus. 666 Hektar wurden komplett zerstört.

Über die Ursache für den Brand, der am 11. August in Valleseco ausbrach und sich innerhalb kürzester Zeit in ein unkontrollierbares Flammeninferno verwandelte, gibt es noch keine Erkenntnisse. Ein Sprecher der Regionalregierung erklärte, es gäbe „keine zuverlässigen Hinweise“.

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