Ferien vom Flüchtlingscamp


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700 Kinder aus den Flüchtlingslagern der Westsahara verbringen den Sommer auf den Kanarischen Inseln

Rund neuntausend Kinder aus den verschiedenen Flüchtlingscamps in Tindouf in der Westsahara verlassen jetzt wieder die Wüste, um in spanischen Familien Ferien zu machen. Siebenhundert von ihnen kommen auf die Kanaren.

Hier können sie eine andere Welt entdecken, das Meer sehen oder in den Zoo gehen – und all das ist dem Programm Vacaciones en Paz  (Ferien in Frieden) zu verdanken.

Seit 22 Jahren kommen Kinder aus der Sahara nach Spanien um den Juli und August hier zu verbringen und den mörderischen Temperaturen zu entkommen, die in diesen Monaten bis zu 50° erreichen. Dann ist ihr Leben in den Flüchtlingslagern in der Wüste Algeriens unerträglich. Ihre Familien leben dort, seit Marokko die Westsahara besetzte.

„Es ist wichtig, dass wir sie aus dieser Hölle holen“, sagte der Präsident des Koordinationsverbandes der solidarischen Vereinigungen mit der Sahara  CEAS-SAHARA, José Manuel Taboada Valdés in einem Gespräch mit der Nachrichten­agentur Efe.

Während ihres Aufenthaltes nehmen sie nicht nur an Spiel und Sport teil, sondern werden medizinisch untersucht und gesund ernährt. Im Laufe der Jahre haben rund 100.000 Familien Sahara-Kindern schöne Ferien bereitet. In diesem Jahr sind es neuntausend zwischen sieben und zwölf Jahren. Die Zahl könnte doppelt so hoch sein, denn Gastfamilien gibt es genug, wenn es die logistischen Probleme nicht gebe wie beispielsweise die geringe Zahl von Flügen.

„Urlaub dort, wo es Frieden gibt“

„Vacaciones en Paz ist ein einmaliges Projekt, an dem 150 Verbände beteiligt sind. Es beweist Respekt und Vertrauen zwischen dem Saharavolk und Spanien, die weit über die Kontakte der Regierungen hinausgehen“, erklärte Taboada an anderer Stelle.

Der Aufenthalt in den Familien gibt den Kindern auch die Möglichkeit, die spanische Sprache zu erlernen oder zu perfektionieren. Spanisch ist die zweite Sprache, die in den Camps gesprochen wird. Bedauerlicherweise geht sie immer mehr verloren, weil die Mittel zum Studium fehlen.

„Die Kinder lernen sehr schnell, doch es ist eine Barriere für die Eingewöhnung“, erklärt Jesús aus Madrid, der drei Kinder hat und seit acht Jahren ein Gastkind aufnimmt. „Einer der Jungen war zum ers­ten Mal bei uns, er hatte Angst den Aufzug zu betreten und erkannte sich selbst nicht im Spiegel“. Andere sind komplett integriert und kommen bereits seit mehreren Jahren in dieselben Familien. Oft kommen sogar Freundschaften zwischen den biologischen und den Gastfamilien zustande, denn die spanischen Familien haben ja die Möglichkeit, die Camps zu besuchen.

Andalusien ist übrigens die Region mit den meisten Gastkindern. Dort wurden in diesem Jahr 2.800 eingeladen, gefolgt von Galicien (900), Katalonien (800) und den Kanarischen Inseln mit 700. Das Projekt Vacaciones en Paz soll für den Prinz von Asturien-Preis vorgeschlagen werden.




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