Explosion zerreißt Migrantenboot

Die 215 Insassen dieses Bootes hatten Glück. Auch ihnen fiel der Motor aus und sie trieben manövrierunfähig im Meer, in Gefahr, die Protagonisten der nächsten Tragödie auf der At­lantikroute zu werden. Doch ein Fischdam­pfer entdeckte sie in mauretanischen Gewässern und rettete sie. Foto: EFE

Die 215 Insassen dieses Bootes hatten Glück. Auch ihnen fiel der Motor aus und sie trieben manövrierunfähig im Meer, in Gefahr, die Protagonisten der nächsten Tragödie auf der At­lantikroute zu werden. Doch ein Fischdam­pfer entdeckte sie in mauretanischen Gewässern und rettete sie. Foto: EFE

Mindestens 140 Schiffbrüchige sind vermisst und konnten nicht mehr gefunden werden

Kanarische Inseln/Senegal – Im Zuge der neu aufgeflammten Migrationbewegung über den Atlantik kommt es immer wieder zu schrecklichen Tragödien. In den Morgenstunden des 23. Oktober 2020 ereignete sich erneut ein Schiffbruch mit weit über Hundert Todesopfern auf der Route von Afrika zu den Kanaren.
In einer Entfernung von 80 Kilometern von dem Fischerort M’bour an der senegalesischen Küste, kam es auf einem Boot mit rund 200 Menschen an Bord zu mehreren Explosionen. Nach den Aussagen von Überlebenden war einer der Motoren des Schiffes ausgefallen. Bei dem Versuch, diesen neu zu starten, explodierte er und löste einen Brand aus, der mehrere Benzinkanister und Dosen, die Treibstoff enthielten, ebenfalls zur Explosion brachte. Das Boot schlug um und zerbrach.
Als Erstes erreichte ein Patrouillenboot der spanischen Armada die Unglücksstelle und nahm, Berichten der im Senegal stationierten Guardia Civil zufolge, 24 Schiffbrüchige auf, weitere 27 wurden durch Fischerboote, die sich in der Nähe befanden, gerettet. Zwei Schiffe der senegalesischen Marine übernahmen die 51 Überlebenden und brachten sie in Dakar an Land. Es handelt sich bei ihnen allen um junge Männer, darunter sechs Minderjährige, die aus der Umgebung von M’bour kommen. Die senegalesische Marine suchte das Seegebiet nach weiteren Überlebenden ab, konnte jedoch niemanden mehr bergen.
Nach und nach wurde mehr über die bei dem Unglück ums Leben gekommenen etwa 140 Menschen bekannt. Viele stammen aus Mbour, einige kommen auch aus anderen Orten wie Saint Louis im Norden des Senegal, dessen Einwohner den Tod von zwanzig jungen Männern beklagen.
Die Guardia Civil ist schon seit dem Jahr 2006 im Senegal präsent, seit sich während der damaligen Migrationskrise Tausende Menschen in traditionellen Fischerbooten vor allem vom Senegal, Mauretanien und Marokko aus auf den Weg zu den Kanaren machten. Sie befinden sich weiterhin dort und patrouillieren gemeinsam mit ihren senegalesischen Kollegen in einem Hubschrauber und zwei Booten der Guardia Civil an der Küste des Landes, um illegale Migranten davon abzuschrecken, diese Routen zu benutzen.

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