Erster Gipfel über die Problematik der minderjährigen Immigranten


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Erstmalig haben sich elf autonome Regionen Spaniens bereit erklärt, minderjährige Einwanderer bei sich aufzunehmen und die Kanaren so zu entlasten

Eine der tragischsten Seiten des Dramas der illegalen Immigration betrifft die vielen Minderjährigen, die sich in immer größerer Zahl unter den Bootsflüchtlingen befinden und meist ohne die Begleitung eines Erziehungsberechtigten die lebensgefährliche Überfahrt in ein vermeintlich besseres Leben wagen.

Besonders auf den Kanarischen Inseln, wegen ihrer Lage Zielort der meisten Flüchtlingsboote aus Afrika, wurde in den letzten Jahren mit Sorge die Tendenz beobachtet, dass immer mehr Minderjährige den Archipel alleine erreichten. In der festen Überzeugung, im goldenen Westen arbeiten und mit dem so verdienten Geld ihre Familie in der Heimat unterstützen zu können, ist die Ernüchterung bei den Minderjährigen meist groß, wenn sie feststellen, dass sie in Europa wegen ihres Alters gar nicht arbeiten dürfen.

Inzwischen muss es sich aber auch in den meisten Herkunfstländern der illegalen Einwanderer herumgesprochen haben, dass es besonders kompliziert ist, allein ankommende Minderjährige abzuschieben und die Kinder, die in Spanien bleiben dürfen, eine Schul- und gegebenenfalls auch berufliche Ausbildung und damit eine Chance auf ein besseres Leben erhalten, die in ihrer Heimat undenkbar wäre. Jedenfalls werden die minderjährigen Bootsflüchtlinge zusehends jünger. Allein ankommende Acht- und Neunjährige sind schon lange keine Seltenheit mehr.

Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Heime für minderjährige Immigranten auf den Kanaren mittlerweile hoffnungslos überlastet sind. Bislang wurden die Inseln trotz deutlicher Hilferufe nach Madrid mit dieser Problematik allein gelassen. Am 23. Januar fand nun erstmalig ein Treffen von Vertretern der für die illegale Immigration zuständigen Ressorts aus elf autonomen Regionen Spaniens statt.

Wie die kanarische Ministerin für Soziale Angelegenheiten, Inés Rojas, im Nachhinein erklärte, ist der erste Gipfel, bei dem es erstmalig nur um diese Problematik ging, erfolgreich verlaufen. Jedenfalls haben sich alle Vertreter der autonomen Regionen bereit erklärt, minderjährige Immigranten bei sich aufzunehmen und die Kanaren so zu entlasten.

Allerdings war die Freude über diesen Erfolg bei Rojas noch verhalten. Bislang handelt es sich nämlich nur um verbale Versprechen. Eine verbindliche Abmachung besteht vorerst nur mit den Balearen, die sich verpflichtet haben, 45 minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen.

Ziel der kanarischen Regierung ist jedoch mittelfristig, eine richtige gesetzliche Regelung auf Staatsebene zur gerechten Verteilung der minderjährigen Immigranten zu erreichen. Eine Hoffnung, die unter Umständen im Rahmen der anstehenden Reform des spanischen Ausländergesetzes erfüllt wird.




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