Erneut starben Flüchtlinge bei dem Versuch, die Kanaren zu erreichen


© Salvamento Marítimo

Trotz ausgedehnter Suche gelang es nicht, alle Insassen der beiden abgetrieb. Pateras zu retten, zwei Männer, eine Frau u. ein Baby überlebten nicht

Einmal mehr sind auf dem Atlantik Menschen umgekommen, welche sich in dem verzweifelten Versuch, auf die Kanaren zu gelangen, in winzigen, schlecht ausgestatteten offenen Holzschiffchen oder Schlauchbooten mit Außenbordmotor auf das Meer hin­aus gewagt hatten.

Gleich zwei Such- und Rettungsaktionen mussten in der zweiten Märzwoche eingeleitet werden. 

Zunächst ging es um ein mit dreißig Menschen besetztes Schlauchboot, das nach Tagen steuerlosen Dahintreibens mit einem Handy kurzzeitig Netzempfang hatte und eine Aktivistin der Flüchtlingsorganisation „Ca-Minando Fronteras“ erreichen konnte. Nach der dramatischen Botschaft: „Drei Tage auf dem Wasser; wir haben die Orientierung verloren. Wir haben keinen Treibstoff. Hilfe!“ brach der Kontakt bald wieder ab, doch die von der Organisation benachrichtigte Seenotrettung und die marokkanischen Sicherheitskräfte leiteten eine Suchaktion ein, die sich wegen der Größe des Suchgebiets äußerst schwierig gestaltete. Die Patera, deren Insassen größtenteils aus dem Kongo, Guinea, Mali und dem Senegal stammen sollen, war von einem Strand in Tan-Tan, Marokko, gestartet und hätte überall im Seegebiet zwischen Tan-Tan und Lanzarote sein können. Schließlich scheinen Wind und Gezeiten das Schlauchboot etwa 25 Kilometer südwestlich des vermuteten Ausgangsortes an Land gespült zu haben. Doch mindestens vier der Flüchtlinge haben die Irrfahrt nicht überlebt. Zwei Männer, eine Frau und ein Baby wurden von der marokkanischen Polizei tot an der Küste aufgefunden. Zwanzig weitere Personen, 15 Männer und fünf Frauen, wurden lebend in der Gegend entdeckt. Insgesamt sechs Menschen, zwei Frauen, drei Kinder und noch ein Baby, bleiben verschwunden. 

Rechtzeitig entdeckt

Die dreizehn Insassen eines offenen Holzkahns, der weitab von seinem Kurs 140 Seemeilen südöstlich von El Hierro unterwegs war, hatten mehr Glück. Die Besatzung des angolanischen Gas-Tankers „Sonangol Sambizanga“ entdeckte das treibende Schiff und verständigte die Hilfskräfte.

Auch in diesem Fall erwies sich die Rettung wegen der großen Entfernung zum nächsten Stützpunkt und Windstärken von 18 bis 20 Knoten als schwierig. Ein Helikopter des spanischen Salvamento Marítimo startete vom Flughafen Gando auf Gran Canaria und musste zunächst auf El Hierro zwischenlanden, um erneut aufzutanken. Vor Ort gelang es der Besatzung, die elf Männer und zwei Frauen mit der Seilwinde an Bord zu ziehen und nach El Hierro zu fliegen. 

Alle Geretteten litten an Unterkühlung und Dehydrierung. Fünf von ihnen blieben vorerst zur Behandlung auf der Insel, während die anderen in das Immigranten-Zentrum auf Teneriffa gebracht wurden. Eine der beiden Frauen ist schwanger. 

Bei dieser Patera könnte es sich um ein Flüchtlingsboot handeln, welches von Kap Bojador in der Westsahara aufgebrochen war und nach dem schon seit über einer Woche gesucht wurde. 




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