Ein Aufruf zur Solidarität


Bürgermeister Francisco Linares (2.v.l.), Pfarrer Oscar Guerra, die Leiterin des Festamtes der Stadt, Delia Escobar, und der Projektleiter Domingo González Expósito (r.) präsentierten den Entwurf für das Lavasandbild. Foto: ayuntamiento de la orotava

Das Lavasandbild von La Orotava wird dieses Jahr zum 100. Mal angefertigt

Teneriffa – „Das Wort Gottes im Wandel der Zeit“ lautet das Leitmotiv des diesjährigen Lavasandbilds von La Orotava. In den nächsten Wochen werden die Künstler auf dem Rathausplatz mit der Anfertigung des riesigen Kunstwerkes beginnen, das zum 27. Juni, dem siebten Tag der Fronleichnam-Oktav, fertiggestellt wird.

Fast zwei Dutzend Sandkünstler – Alfombristas genannt – werden das überdimensionale, fast 1.000 Quadratmeter große Bild gestalten, welches in diesem Jahr zum 100. Mal angefertigt wird. Anlässlich des Jubiläums hat der Sandkünstlerverband der Stadt einige Elemente in das diesjährige Bild aufgenommen, die an den ersten Sandteppich erinnern, der 1919 von Felipe Machado y Benítez de Lugo angefertigt wurde.

Bei der Präsentation der Vorlage für das diesjährige Kunstwerk überraschte zunächst die geometrische Form des Bildes, das in vergangenen Jahren meist in drei Rechtecke geteilt war. Dieses Jahr beherrscht ein großes Dreieck den Vordergrund, das die religiöse und soziale Botschaft enthält. An der Spitze des Dreiecks wird Jesus, umringt von Zuhörern, bei einer Predigt dargestellt. Links wird Franz von Assisi abgebildet, der auf einen kleinen Jungen deutet, der seine Hand aus dem Bild streckt und um Hilfe bittet. Beide Figuren, Franz von Assisi und das Kind, richten den Blick nach oben zu dem Balkon des Rathauses, von dem Besucher am 27. Juni die beste Aussicht auf das gesamte Kunstwerk haben. Links und rechts im Dreieck sind hilfsbedürftige Menschen wie Flüchtlinge und Bettler abgebildet. Diese Komposition ist ein Aufruf zur Solidarität und soll den Betrachter anregen, über das Wort Gottes und die Nächstenliebe nachzudenken. Die Farben werden von bunt und kräftig im Bereich von Jesus zu Grautönen im Bereich der Hilfsbedürftigen und Armen abgestuft.

Die Abbildung von Franz von Assisi auf dem diesjährigen Lavateppich erinnert gleichzeitig an die Ankunft der Franziskaner in La Orotava vor 500 Jahren.

Hinter dem Dreieck in der Bildmitte scheint ein Rechteck zu liegen, das wiederum zwei Dreiecke an den Seiten bildet. Dies ist der Teil des Bildes, der als Hommage an den Begründer der Tradition, Felipe Machado y Benítez de Lugo, Elemente enthält, die von ihm für die Anfertigung des ersten Bildes im Jahr 1919 verwendet wurden. Obwohl es keine Fotografien davon gibt, sind mehrere Entwürfe erhalten, denen die Künstler Ideen entnommen haben. So wurden für dieses erste Fronleichnamsbild auf der Plaza unter anderem Eukalyptusbeeren, Maiskörner und Schalen von Napfschnecken (Lapas) verwendet.  Die Umrandung dieses Bereichs, auf dem die Jahreszahlen 1919 und 2019 stehen, wird von einem Ornament im Stil der Groteske beherrscht, durch den sich Felipe Machado vermutlich in folgenden Jahren inspirieren ließ.

Das Bild wird von einer großen Blumengirlande gekrönt, in der jede Blüte zwischen drei und vier Metern Durchmesser hat. Für diesen Bereich des Bildes wird ausschließlich Sand aus der Vulkanlandschaft des Teide-Nationalparks verwendet werden.

Am linken und rechten Rand des Bildes sind zwei jeweils 20 Quadratmeter große Bereiche für eine Komposition reserviert, deren Entwurf von Künstlern aus Brüssel stammt, die zum 100-jährigen Jubiläum des Lavateppichs von La Orotava eingeladen wurden. Der gigantische Blumenteppich, der 1971 erstmals auf dem Marktplatz in Brüssel angefertigt wurde und seit 1986 alle zwei Jahre aus Hunderttausenden Begonien und anderen Blüten gestaltet wird, ist mit der Tradition in La Orotava verwandt.

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