Dreister Lohnbetrug im Seniorenheim


Die Angestellten mussten einen Teil ihres Gehalts in Umschlägen zurückzahlen

Teneriffa – Durch eine anonyme Anzeige bei der Arbeitsinspektion wurde bekannt, dass ein Seniorenheim im Norden Teneriffas von seinen Angestellten verlangte, allmonatlich einen Teil des Lohns an den Arbeitgeber zurückzuzahlen. Eine polizeiliche Untersuchung, die im November vergangenen Jahres eingeleitet wurde, bestätigte den Anfangsverdacht, und die Durchsuchung der Büroräume des Heims wurde angeordnet.

Lange Zeit war der Lohn in bar ausgezahlt und den Mitarbeitern höhere Abrechnungen zur Unterschrift vorgelegt worden. Seit Sommer 2016 musste man aufgrund einer Gewerkschaftsanzeige auf Banküberweisung umstellen. Seitdem hatten die Angestellten einen Prozentsatz ihres Gehaltes in bar in einem Umschlag mit ihrem Namen darauf in einen dafür vor- ­gesehenen Briefkasten zu werfen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurden nicht ausgezahlt, mussten jedoch quittiert werden. Obwohl die Angestellten Vollzeit arbeiteten, blieben den meisten kaum 700 Euro Gehalt.

Bei der Durchsuchung wurde der Geldbriefkasten gefunden, und darin befanden sich tatsächlich zwölf Umschläge mit insgesamt 2.600 Euro darin. Es wurden zudem  Unterlagen und Datenträger beschlagnahmt. Die Ermittlungen ergaben, dass die Arbeiter wahrscheinlich schon seit 2009 Opfer dieser Geschäftspraktiken sind und dass sie sich diese Behandlung gefallen ließen, weil sie Angst hatten, gekündigt zu werden und dann gar keine Arbeit mehr zu finden. Etliche unterschrieben sogar gleich bei der Einstellung eine Blanco-Kündigung.

Wegen Geldwäsche und Verstoß gegen die Arbeitnehmerrechte wurden der Geschäftsführer, dessen Sohn und Direktor der Einrichtung sowie eine Schichtleiterin festgenommen.




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