Dramatisches Einzelschicksal nach Schiffbruch


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Eine Schweizer Familie hat bei der Havarie der Assalama alles verloren

Jeder Passagier der havarierten Fähre Assalama hat seine eigene Geschichte zu erzählen, Verluste zu überwinden und das Erlebte zu verkraften. Doch einen der schwersten Schicksalsschläge hat sicherlich eine Schweizer Familie erlitten, die mit der Aussicht auf einen Neuanfang an Bord ging und alles verloren hat.

Der Zürcher Peter Toth (47) und seine Frau Judith (29) hatten ihre Auswanderung auf die Kanaren schon lange geplant. Mehrere Monate waren sie mit ihren drei Kindern (2, 4 und 7) in ihrem Wohnmobil unterwegs bis sie Marokko erreichten. Mit der Assalama wollten sie auf die Kanaren übersetzen, um sich auf La Palma niederzulassen. Im Gepäck befanden sich nicht nur alle ihnen wichtigen Habseligkeiten, sondern auch ein Laptop auf dem Peter Toth das Manuskript seines neuen Buches gespeichert hatte – das Ergebnis dreijähriger Arbeit. In dem Wohnmobil, das sich mittlerweile im gesunkenen Teil des Schiffes befindet, waren auch wertvolle Musikinstrumente seiner Frau Judith, ihre gesamten Zeugnisse, Geld, Kleidung, Kinderspielzeug und einfach alles, was sie für den Neuanfang auf La Palma eingepackt hatten.

Wie viele andere Passagiere schilderte auch das Ehepaar Toth die Betreuung durch die Behörden und die Reederei nach der Havarie als katastrophal. Ungenügende Information und kaum Hilfe bei der Beschaffung des Notwendigsten wie Kleidung sind nur einige ihrer Klagen. Zusammen mit anderen Betroffenen weigerten sie sich aus diesem Grund zunächst in eines der Flugzeuge zu steigen, die von der Reederei gechartert worden waren, um die Passagiere auf die Kanaren zu bringen. Erst als sie eine schriftliche Zusage für ein Entschädigungsverfahren erhielten, willigten sie ein.

Die Fähre Assalama der kanarischen Reederei Naviera Armas lief am Vormittag des 30. April aus dem Hafen des marokkanischen Küstenortes Tarfaya mit Ziel Puerto del Rosario (Fuerteventura) aus. Schon kurz nach Verlassen des Hafenbeckens wurde das Schiff von dem starken Wellengang abgedrängt und kollidierte mit dem Wellenbrecher. Dennoch entschied der Kapitän die Reise fortzusetzen. Nachdem das Schiff aber nach einiger Zeit in Seitenlage geriet und man bei der Inspektion des Rumpfes ein erhebliches Leck und im Maschinenraum schwere Rauchentwicklung feststellte, wurde die Notevakuierung von Passagieren und Besatzung beschlossen. Die Assalama liegt seitdem auf einer Sandbank etwa 400 Meter vor Tarfaya. Sie soll zurück auf die Kanaren geschleppt werden. Dann wird sich zeigen, ob von den Besitztümern der Passagiere noch etwas zu retten ist.




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