Die Wüste lebt


© Carlos de Saá

Fuerteventura ist Lebensraum einer ungeahnten biologischen Vielfalt

Fuerteventura ist sicher die Kanareninsel, die das Sommer-Sonne-Strand-Urlaubs­konzept am besten widerspiegelt. Wer an Fuerteventura denkt, sieht endlose paradiesische Sandstrände und glitzerndes türkisgrünes Wasser vor seinem inneren Auge.

Hier dauert die Badesaison wirklich das ganze Jahr, und das milde Klima der Sonneninsel lockt jährlich über eine Million Urlauber an. Während sie sich an den Stränden aalen und den Luxus der Hotels genießen, bleibt der wahre Schatz der Insel vor den meisten von ihnen verborgen. Denn wer weiß schon, dass Fuerteventura eine Artenvielfalt beherbergt, die so reich wie sonderbar ist. Hier wird unter Beweis gestellt: Die Wüste lebt. Die karge, trockene Landschaft der Insel ist Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten.

Für die erste Überraschung sorgt die Pflanzenvielfalt. Auf dem dürren und scheinbar unfruchtbaren Boden finden 678 verschiedene Pflanzenarten genügend Nahrung, um zu überleben – 13 davon sind einzigartig in der Welt und 42 kanarische Endemiten. Ein Beispiel sind die 16 verschiedenen Farnarten, die im Schatten unerreichbarer Felsspalten genügend Feuchtigkeit finden. Oder der äußerst seltene Fuerteventura-Natternkopf (Tajinaste azul de Jandía).

Besonders beeindruckend ist die Vogelwelt der zweitgrößten Kanareninsel. Ein Schmuckstück ist auf diesem Gebiet der Kanarenschmätzer (Saxicola dacotiae), der nur auf Fuerteventura heimisch und aufgrund der zunehmenden Zerstörung seines Habitats ernsthaft bedroht ist. Der Wiedehopf (Upupa epops) ist vielleicht der bekannteste Vertreter der gefiederten Fauna der Insel. Für die äußerst bedrohte Kragentrappe (Chlamydotis undulata fuertaventurae) hat SEO BirdLife ein Arterhaltungsprogramm entwickelt. In den Staubecken hat sich neuerdings die Rostgans (Tadorna ferruginea) niedergelassen, und auch der Stelzenläufer (Himantopus himantopus) hat Gefallen an den Wasserbecken Fuerteventuras gefunden. An der Küste sind Sturmtaucher (Calonectris diomedea borealis), Löffelreiher (Platalea leucorodia), Steinwälzer (Are­naria interpres), Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) und natürlich Mittelmeermöwen (Larus michahellis atlantis) anzutreffen, um nur einige zu nennen. Viele der genannten Arten sind Zugvögel, und vielleicht ist gerade deshalb Fuerteventura für Ornithologen so interessant. Die geographische Lage der Insel und ihr wunderbares Klima machen diesen Lebensraum für Zugvögel aus Europa, Afrika und Asien zu einem Ziel. Über 300 verschiedene Vogelarten sind hier das ganze Jahr über oder je nach Jahreszeit heimisch.

„Eine Oase in der Wüste der Zivilisation“

Der baskische Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno, der 1924 einige Monate auf Fuerteventura in politischer Verbannung lebte, bezeichnete die Insel als „Oase in der Wüste der Zivilisation“. Damit dies auch in Zukunft noch gültig ist, bemüht sich die Inselverwaltung um stärkere Schutzmaßnahmen. Das Cabildo von Fuerteventura verfolgt in diesem Sinne zwei ehrgeizige Ziele. Zum einen soll ein Viertel der Gesamtfläche der Insel zum Nationalpark erklärt werden (heute stehen etwa 40% der Inselfläche unter Naturschutz). Zum anderen liebäugelt das Cabildo mit dem UNESCO-Titel „Weltbiosphärenreservat“, der Fuerteventuras Naturschätze nicht nur anerkennen, sondern auch für zukünftige Generationen schützen würde.




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