Die Liebesquelle von Vallehermoso


Wer sein Spiegelbild im Brunnen scharf erkennen kann, hat Glück: Ihn erwartet die große Liebe. Foto: Magrama

Die Überlieferung schreibt dem Wasser der „Chorros de Epina“ eine magische Wirkung zu, die das Schicksal derer bestimmt, die davon trinken

Kanarische Inseln – Die Geschichte der Kanarischen Inseln ist voll von unergründlichen, mystischen Begebenheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Auf allen Inseln, aber insbesondere auf La Gomera, kann man noch vielerorts die Spuren dieser Legenden verfolgen. Der „Hexenkreis“ von Laguna Grande ist wohl eines der bemerkenswertesten Beispiele hierfür.

Auf der Westseite von La Gomera liegt der kleine Ort Vallehermoso, das „wundervolle Tal“. Seine knapp 3.000 Einwohner übertragen, wie so viele andere Bewohner der Insel, die Geschichten von mystischen Begebenheiten von Generation zu Generation. Eine dieser Legenden dreht sich um einen etwas außerhalb von Vallehermoso liegenden Brunnen, der unter dem Namen „Chorros de Epina“ bekannt ist .

Wer den Brunnen gebaut hat, weiß heute niemand mehr. Der Volksmund schreibt ihm allerdings Heilkräfte zu. Eine andere Geschichte erzählt davon, dass dieses Wasser hellseherische Fähigkeiten verleiht und man das Schicksal vorhersehen kann. Auch den Weg zur wahren Liebe sollte dieser Brunnen weisen. Man musste sich nur in dem wunderbaren Nass spiegeln. Eine glatte Wasseroberfläche sagte eine glückliche Zukunft und die große Liebe voraus. Kräuselte sich das Wasser, bedeutete dies Unglück und Liebeskummer.

Am Tage der Feierlichkeiten des „Beñesmen“, dem Neujahrsfest der Guanchen, pilgerten die Mädchen im heiratsfähigem Alter zu dem Brunnen, um in ihrem Spiegelbild einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Der Legende zufolge muss aus den sieben Holzläufen, aus denen das Wasser fließt, von links nach rechts getrunken werden. Die Rohre mit den geraden Zahlen sind für die Frauen, die mit den ungeraden für die Männer. Aus den ersten beiden „chorros“ fließt Gesundheit, aus den nächsten beiden die Liebe, der fünfte und sechste Holzlauf geben Lebensglück. Und von dem siebten Lauf trinken nur die Hexen…

Die Legende des Brunnens von Epina hat viel Ähnlichkeit mit den magischen Traditionen vergangener Kulturen hinsichtlich Quellen oder mit anderen Orten, an denen Wasser entspringt. Der Volksmund setzt das nasse Element mit den Erscheinungen von Feen und Wichteln in Verbindung, die die Menschen behüten. Auch ist in der Legende die Rede von undefinierbaren Lichtern und von der Erscheinung der Heiligen Jungfrau am Brunnen.




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