Die Kinder bleiben auf der Strecke


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Wirtschaftskrise

Im Rahmen der Tagung „Wirtschaftskrise, Minderjährige und Gerechtigkeit“ haben sich vor Kurzem Rechts- und Kinderschutzexperten mit den Auswirkungen von Wirtschaftskrise, Anhebung der Gerichtsgebühren und staatlicher Sparpolitik auf die Kinder Spaniens befasst – mit erschreckenden Ergebnissen.

Madrid – Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit bei Familien mit Kindern um 120% angestiegen. Die Verzweiflung, Hilflosigkeit, Existenz- und Zukunftsangst würden die Eltern dann oft an den schwächsten Familienmitgliedern auslassen, den Kindern, erklärte Victoria Ortega, Generalsekretärin der Obersten Vertretung der Anwaltschaft. Die häusliche Gewalt an Kindern sei im vergangenen Jahr um fast 14% angestiegen, gab Ortega bekannt. Dabei handele es sich nicht nur um körperliche sondern auch um seelische Misshandlung der Kleinen.

Darüber hinaus würden die Kinder rechtlich weniger geschützt werden, weil im Rahmen der staatlichen Sparpolitik die entsprechenden Mittel gekürzt worden seien, klagte die Rechtsexpertin.

Unicef-Vertreter Gabriel González-Bueno verdeutlichte, dass viele Kinder eine schlimme Zeit durchmachten. Über ein Viertel der spanischen Kinder lebten unterhalb der Armutsgrenze, sie würden Zwangsräumungen miterleben oder die Trennung ihrer Eltern, die keine zwei Haushalte versorgen könnten. „Die Spannung zu Hause wird dann an den Kindern entladen,“ bedauerte González Bueno. Die wegen der reduzierten Rechtsmittel noch nicht einmal beschützt werden könnten.

Carlos Chana vom Roten Kreuz wies auf die zunehmende „soziale Kluft“ hin. Schon jetzt seien 2,2 Millionen Kinder von Armut betroffen. Bei den Opfern der Krise handele es sich vor allem um Kinder arbeitsloser Eltern, die jegliche staatliche Unterstützung ausgeschöpft hätten, betreute Minderjährige, Einwandererkinder, behinderte und chronisch kranke Kinder, deren Förderung bzw. Behandlung nicht übernommen würde.

Diese Versäumnisse könnten nie wieder aufgeholt werden, die Zukunft der Kinder werde jetzt schon verbaut.




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