Die kanarischen Inseln aus alten Quellen


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Neues vom Buchmarkt:

Die Frühgeschichte der kanarischen Inseln wurde in diesem reich illustrierten Buch von dem auf La Palma lebenden Autor Peter Borschberg durch akribische Detektivarbeit aus vielen kleinen Bruchstücken zu einem Bild zusammengefügt, welches auf weiten Strecken das übliche Denkschema sprengt, jedoch ohne sich aufs Glatteis vager Spekulationen zu begeben.

Mit der Verbreiterung des Umfeldes, aus welchem die bruchstückhaften Zeugnisse über die kanarischen Inseln zusammengetragen wurden, wuchs ihre Widersprüchlichkeit. Bei der Interpretation und Gewichtung der Quellen berücksichtigte der Autor auch die zugrunde liegende politische Konstellation und die Rolle zweier Königinnen, was teilweise zu völlig neuen Erkenntnissen geführt hat.

Ergänzt werden die griechischen und römischen Quellen durch rekonstruierte Karten der Antike, sowie Münzen und archäologische Funde. Ab 1339 stehen moderne Karten zur Verfügung, die aber nur selten oder noch nie in einer solch hohen Auflösung zugänglich waren, wie in diesem Buch. Das Glanzstück ist die Pizzigano-Karte von 1367, auf der erstmals alle 7 bewohnten kanarischen Inseln erscheinen. 

Üblicherweise wird angenommen, die Kanaren seien von einem seefahrenden Volk wie den Phöniziern oder Karthagern entdeckt und besiedelt worden. Dazu besteht kein zwingender Grund, da Fuerteventura bei einer meteorologischen Inversion von der afrikanischen Küste aus sichtbar ist. Die Ureinwohner der Kanaren sind bekanntlich mit den Berbern verwandt, ein ehemals sehr großes kaukasisches Volk, das aber seit deren Herrschaft über Ägypten während der 22. Dynastie (10. – 8. JH v. Chr.) und später durch die Söldner der Karthager stark durchmischt wurde. Den Zenit der Macht erreichten sie am Ende des 2. Jahrhunderts, als gleichzeitig der römische Kaiser und das Oberhaupt der christlichen Kirche Berber waren.

Die einflussreichste Quelle des Altertums ist König Iuba II von Mauretanien (50 v. Chr. – 23 n. Chr.). Er nannte eine der Inseln Canaria, weil ihm von dort zwei Hunde mitgebracht wurden. Der Name Canaria wurde später auf alle Inseln ausgedehnt, wodurch die Glückseligen Inseln (Fortunaten) zu Hunde­­inseln wurden. Die Assoziierung Canaria=Canis=Hund wird in diesem Buch als eine der zahlreichen sprachlichen Fehlverwandtschaften gewertet, die wir beispielsweise auch auf Karten Chinas als Khan=Canis=Hund finden.

Iuba zeichnet ein abschreckendes Bild der seinem König­reich vorgelagerten kanarischen Inseln. Wer sich dorthin begibt, findet außer Echsen kaum Essbares, muss aber damit rechnen, dass er von einer Meute riesiger Wildhunde angegriffen wird und die Luft von Walkadavern unausstehlich verpes­tet ist. Ein Grund für dieses düstere Bild war die ungesicherte Erbfolge römischer Klientenkönige. Herodes der Große (gest. 4. v. Chr.), war nicht in der Lage, sein von den Römern geduldetes Königreich Judäa an einen seiner Söhne zu vererben. Um dies zu vermeiden durfte Mauretanien nicht attraktiv sein. 

Spätestens seit dem 1. Jahrhundert war bekannt, dass Afrika umschiffbar ist. Eine genuesische Expedition wollte 1291 diesen Traum verwirklichen, doch sie blieb verschollen. Weitere Vorstöße Richtung Süden folgten, um den Seeweg nach Indien und China zu erschließen. Dabei wurden auch die Kanaren vermehrt angelaufen. Im 14. Jahrhundert war die ungetrübte Idylle der Glückseligen Inseln zu Ende.




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