Die fünf absurdesten Bauwerke auf den Kanaren


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Das unabhängige Nachrichtenmagazin „Canarias Investiga“ stellte eine Liste der Top-Kandidaten auf

Die kanarische Region ist ein Paradies für die Errichtung von sinnlosen öffentlichen Bauwerken, die nicht selten nach den Launen der jeweils Regierenden entstanden sind. „Canarias Investiga“ hat jetzt eine Liste der fünf absurdesten Bauwerke zusammengestellt, räumt allerdings ein, dass es sich um eine subjektive Betrachtungsweise handelt und diese Liste noch weiter fortgeführt werden kann.

„Die Kanaren sind eine Region, in der die Regenten einen speziellen Drang haben, bei Bauwerken ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, ohne nach der Meinung der Bürger oder dem Nutzen zu fragen“, kommentiert „Canarias Investiga“ die nachfolgende Liste.

Die Fontäne im See der Plaza de España in Santa Cruz: Während die Architekten Herzog und De Meuron beim Entwurf des TEA Tenerife Espacio de las Artes sozusagen den Nagel auf den Kopf getroffen haben, kann man das bei der Umgestaltung der Plaza de Candelaria bzw. Plaza de España nicht behaupten, zumindest nicht im Hinblick auf die Bedürfnisse der Bürger der Stadt. Denen hat es wenig genutzt, dass man ihnen den Platz als modernes und konzeptionelles Werk verkaufen wollte. Das Grundproblem sind die Dimensionen. Während sich dort früher eine Esplanade befand, auf der man Karneval, Konzerte und Events aller Art veranstalten konnte, hat man jetzt eine Unterbrechung, eine schöne, aber nutzlose runde Vertiefung mit oder ohne Wasser und einer Fontäne in der Mitte. Spektakulär ist der künstliche See zwar, aber für Funktionalität bekommt er die Note null. Die Fontäne tritt vier Mal täglich in Aktion, im Zusammenspiel mit den Gezeiten, wie die Architekten auf ihrer Website berichten. Dies allerdings nur, wenn der Wind nicht zu stark ist, denn dann wird der „Geysir“ abgeschaltet. Ein Element von zweifelhaftem Interesse für eine Stadt, in der freie Plätze unter freiem Himmel nicht gerade zahlreich vorhanden sind.

Die Riesenflagge des Cabildos von Gran Canaria: Wenn es um Dimensionen geht, denkt man an das große Monument, welches der Mast und die Flagge des Cabildos von Gran Canaria bei dem beleuchteten Brunnen in der Inselhauptstadt bilden. 2006 auf Anordnung von José Manuel Soria während seiner Zeit als Cabildo-Präsident aufgestellt, soll sie die spanische Flagge auf der Plaza Colón in Madrid imitieren. Sie ist ein Symbol für die Einstellung „mal sehen, wer mehr kann“, welche hier die politische Auseinandersetzung charakterisiert. 360.000 Euro aus der Inselkasse wurden damals für den 50 Meter hohen Mast und die 300 Quadratmeter große Flagge ausgegeben.

Sie wurde mit der Begründung aufgestellt, dass sie die Kreuzfahrtgäste begrüßen soll, die im Hafen von Las Palmas ankommen. Allerdings braucht das riesige Tuch ständige Beobachtung, weil der Standort an der Avenida Maritima nicht besonders geeignet ist. Immer, wenn der Wind stark bläst oder Calima herrscht, muss die Flagge schnellstens eingeholt werden. Dafür steht rund um die Uhr Personal bereit. Ein „Bauwerk“, so absurd wie wenige.

„Mamotreto“ am Teresitas-Strand: Die Kanaren sind ein Gebiet, in dem Betongebilde aller Art an der Tagesordnung sind. Doch in dieser Welt des Zements gebührt der gescheiterten „Umgestaltung“ des Strandes von Las Teresitas mit einem unfertigen Neubau, der im Volksmund voller Verachtung als „Mamotreto“ – Ungetüm – bezeichnet wird, ein Sonderplatz. Das Bauwerk sollte nach den Plänen des französischen Architekten Dominique Perrault Geschäftslokale und ein Parkhaus aufnehmen. Aber der Rohbau wurde Teil eines Skandals, in den unter anderem Ex-Bürgermeister Miguel Zerolo verwickelt war, der später freigesprochen wurde, weshalb das Bauwerk durch die Justiz blockiert wurde. Der Vertrag mit dem berühmten Architekten wurde aufgekündigt und alle Projekte annulliert. Die Stadtverwaltung von Santa Cruz entschied, den Bau abzureißen und das Tiefgeschoss als Parkhaus zu benutzen. Insgesamt hat dieses Abenteuer mehr als acht Millionen öffentlicher Gelder verschlungen.

Ausbau der Flughäfen La Palma und La Gomera: Es soll nicht die Funktion von Flughäfen in einer Inselregion wie den Kanaren kritisiert werden, jedoch die enormen Mittel, die dafür ausgegeben wurden. Auf dem Flughafen La Palma kamen letztes Jahr etwas mehr als eine Million Passagiere an, genauso viele wie 2004. Außerdem waren in den letzten Jahren bereits Verluste zu verzeichnen. Trotzdem wurde der Flughafen mit einem Aufwand von 230 Millionen Euro aus Mitteln des Ministeriums für Inlandsentwicklung ausgebaut, einschließlich eines neuen Terminals. Es handelte sich um die größte Investition, die jemals auf der Insel erfolgte.

Aber auch die Inselverwaltung von La Gomera hat eine Erweiterung des Flughafens beantragt, obwohl er als der mit dem geringsten Flugaufkommen von ganz Spanien gilt und die Zahl der Fluggäste seit Jahren rückläufig ist.

Industrie- und Handelshafen von Granadilla: Zum Schluss soll der Klassiker unter den Klassikern genannt werden, der Industrie- und Handelshafen von Granadilla de Abona, für dessen Bau die Seegraswiesen aus dem Katalog für geschützte Spezies der Kanaren gestrichen wurden. Authentische Wiesen auf dem Meeresgrund mit einem eigenen Ökosystem. Trotz Protestkundgebungen mit Tausenden von Teilnehmern in den letzten Jahren geben die Förderer und Bauträger nicht auf. Ihre Begründung, die sie im Jahr 2002 ins Feld führten, war die angebliche Überlastung des Hafens von Santa Cruz. Die gesamte Bevölkerung, Experten, Universitätsprofessoren, Umweltschutz-Organisationen und Nachbarschaftsverbände lehnen den Hafen von Granadilla ab. Augenblicklich gibt es kein stichhaltiges Argument für die Zerstörung des Ökosystems der Seegraswiesen.




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